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Zum Tod von Dave Brubeck:"Erneuerer des Jazz"

Im Rückblick erscheint einem der Erfolg gar nicht so rätselhaft. Das Thema des Songs ist so eingängig wie ein Gassenhauer, der Rhythmus so leichtfüßig gespielt, dass er die Hörer längst ins Wippen gebracht hat, bis sie merken, dass sich hier ein sperriger Beat ins System eingeschlichen hat. Zu einer Zeit, in der der Rock 'n' Roll mit brachialen Zwei-Minuten-Songs die Hitparaden eroberte, lieferte Brubeck ein Gegengewicht, das der musikalischen Abenteuerlust seiner Zeit entgegenkam, ohne zu verstören.

Dave Brubeck und sein Quartett waren ihrer Zeit auch nur scheinbar voraus. Denn letztlich transportierte die kalifornische Moderne in Musik, Design und Kunst unzählige exotische Gegenpole zu den klaren Formen und Farben, mit denen sich das neue Wohlstandsbürgertum in den grünen Hügeln am Rande der Wüste einrichtete. Ferne Weltgegenden wie die Südsee, Afrika und die islamischen Länder standen damals Pate. Brubeck selbst hatte die Inspiration für die sperrigen Rhythmen bei einer Reise in die Türkei bekommen, bei der er Straßenmusiker belauschte, die sich im 9/8-Takt in Ekstase spielen konnten.

Weil er schielte, konnte er lange keine Noten lesen

In seinem frühen Leben deutete erst einmal nichts auf seine Laufbahn als Superstar des Jazz. Brubeck wuchs in der Nähe von San Francisco auf der Rinderfarm auf, die sein Vater leitete. Seine Mutter war eine Chorleiterin, die ihren Söhnen das Radiohören verbot. Und weil er so schielte, konnte er lange keine Noten lesen. Er spielte zwar schon früh Instrumente, doch erst auf dem College wechselte er von der Veterinärmedizin zur Musik. Nach seinem Wehrdienst studierte er bei dem Komponisten Darius Milhaud, bekam Unterricht von Arnold Schönberg, bevor er dem Jazz verfiel.

1951 gründete er sein bald schon legendäres Quartett. Drei Jahre später feierte ihn das Nachrichtenmagazin Time in einer Titelgeschichte als Erneuerer des Jazz. Nachdem sich sein Quartett 1967 aufgelöst hatte, arbeitete er verstärkt als Komponist. Jazz spielte er bis ins hohe Alter. Noch 2010 trat er 89-jährig im New Yorker Club Blue Note auf. Am Mittwoch starb Dave Brubeck in Norwalk, Connecticut auf dem Weg zu seinem Kardiologen an Herzversagen. An diesem Donnerstag wäre er 92 Jahre alt geworden.

© SZ vom 06.12.2012/fzg
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