Zum Tod von Blake Edwards Tränen des Filmglücks

Seine ganze Meisterschaft ist gar nicht auf den ersten Blick zu erkennen - weil man meist vor Lachen Tränen in den Augen hat. Blake Edwards, Regisseur von Filmen wie "Frühstück bei Tiffany" und "Der rosarote Panther" ist gestorben.

Von T. Kniebe

Seine ganze Meisterschaft ist gar nicht auf den ersten Blick zu erkennen - vielleicht auch deshalb, weil man auf Details schlecht achten kann, wenn man gleichzeitig vor Lachen Tränen in den Augen hat. Unvergesslich zum Beispiel die Szene aus irgendeinem "Pink Panther"-Film (sie werden mit den Jahren, in der Erinnerung, ohnehin zu einem einzigen Gesamtkunstwerk), wo Peter Sellers aus irgendeinem Grund versucht, mit einer falschen Nase aus Wachs heimlich in eine Ritterburg einzudringen.

Komödiengenie: Regisseur Blake Edwards ist gestorben.

(Foto: dpa)

Es gibt also einen Wassergraben und eine Zugbrücke und einen Mann, der sich für unglaublich listig hält - und natürlich gehen alle Anläufe, in die Burg zu kommen, auf lächerliche Weise schief. Inspektor Clouseau aber gibt nicht auf - und gerade wenn man denkt, mehr kann man als Filmemacher nun wirklich mit einer Hängebrücke und einem Wassergraben nicht herausholen, kommen Edwards und Sellers auf eine neue, noch tausendmal absurdere Idee. Es hört einfach nicht auf - und am Ende ist man einfach nur erschöpft vor Glück, dass man das miterleben durfte.

Genau darauf beruht natürlich geniale Komödienkunst: Erst einmal den Stil und den Geschmack zu haben, die Figuren in die richtige fatale Situation zu bringen - und dann einfach nicht mehr lockerzulassen. In dieser Hinsicht war Blake Edwards einer der größten Meister, die Hollywood je hervorgebracht hat. Stil und Geschmack hatte er sowieso - das gibt seinen Filmen diese zeitlose Leichtigkeit und Modernität: Noch heute würde man alles dafür geben, auf jene "Party" eingeladen zu sein, die er im Jahr 1968 wie eine ganz normale Filmproduzenten-Fete beginnen ließ, um sie dann Schritt für Schritt in den Irrsinn eskalieren zu lassen. Die Drinks, die Anzüge, die Kleider, die Frauen, die Musik, sogar die herrlich modernistische Villa mit Pool - alles war perfekt, und alles weckt noch heute Träume von einer Zeit, in der das alte Hollywood mit den Revoluzzern der neuen Zeit zusammenstieß.

Auch in seinem Werk befand sich Edwards genau an dieser Grenze, sichtbar zum Beispiel in seiner bekanntesten Romanze "Breakfeast at Tiffany's": Da trifft ein New York, in dem nach außen hin noch die strengen Regeln der fünfziger Jahre gelten, auf den bereits ziemlich gnadenlosen Weltekel und Zynismus eines Truman Capote. Alles liegt noch unter eine dicken, niedlichen Zuckerschicht, die den Film auch zum ewigen Jungmädchen-Klassiker gemacht hat - aber darunter tun sich bereits viel dunklere Abgründe auf. Dass Edwards diese Abgründe kannte, dass er selbst alle Anstrengungen unternahm, um sie in seinem Leben nicht eskalieren zu lassen und die Leichtigkeit zu wahren, erkennt man am besten in dem Trinkerfilm "Days of Wine and Roses" aus dem folgenden Jahr. Da wird der Pessimismus auf einmal so greifbar, dass er fast außer Kontrolle gerät.

Als William Blake Crump wurde Edwards in Tulsa, Oklahoma, am 26. Juli 1922 als Sohn eines Theatermanagers geboren. Er begann seine Karriere als Schauspieler und Drehbuchautor, so schrieb er sieben Filme für Richard Quine. Einen ersten Geschmack von Entertainment-Genie muss ihm aber die Begegnung mit Orson Welles verschafft haben, noch beim Radio. Er war dabei, als Welles seine legendäre "War of the Worlds"-Show produzierte, eine falsche News-Sendung über die Landung feindlicher Außerirdischer. Dabei soll Edwards es gewesen sein, der die Drehbuchzeile "Sie sind hier, und sie sind hungrig" erfand. Weiter ging es mit Fernseharbeiten, und eine der frühen Begegnungen dort war mit dem Komponisten Henry Mancini, der später viele Soundtracks für ihn schreiben würde - unsterbliche Melodien für unsterbliche Filme.

Eine ganz andere Wendung nahm seine Filmkarriere, als er Peter Sellers traf. Die komische Brillanz, die sie zusammen schaffen konnten, der Welterfolg, der ihrer Kollaboration schnell beschieden war - das kettete sie gewissermaßen aneinander, muss aber irgendwann auch eine Art Fluch geworden sein. Sie waren jedenfalls nicht frei von Rivalitäten, als Edwards im Jahr 2004 den Ehrenoscar gewann, vergaß er demonstrativ, dem 1980 verstorbenen Sellers zu danken.

Genau das möchte man ja aber eigentlich auch gar nicht wissen: Wie hart hinter den Kulissen erarbeitet wurde, was im Kino dann so leicht, so irrsinnig, so kindisch brillant aussehen konnte. In unserer Vorstellung wird Blake Edwards daher immer ein wenig der Mann sein, den Dudley Moore in "10" so eindrücklich verkörperte: Ein genialer Künstler, der aber eigentlich keine Lust zu arbeiten hat, der mit einer umwerfende Frau wie Julie Andrews verheiratet ist (was Edwards wirklich war) und es dennoch nicht lassen kann, im Rolls Royce durch Beverly Hills zu cruisen und anderen Traumfrauen hinterherzuschauen.

Am Donnerstag ist Blake Edwards im Alter von 88 Jahren in Kalifornien an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. So bleibt nur das zu tun, was seine schönsten Figuren in diesem Moment auch getan hätten: die Musik auf der Party ein wenig leiser zu drehen - und einen Toast auf ihn auszubringen.