Die Versicherungsgesellschaft "Assicurazioni Generali" war die erste Berufsstation Kafkas nach seinem abgeschlossenen Jurastudium. Mit einem handgeschriebenen Lebenslauf (Foto) bewarb er sich und bekam die Anstellung. Sie sollte allerdings nur eine Durchgangsstation bleiben (Oktober 1907 bis Juli 1908).

Von 1908 bis 1922 arbeitete Kafka in der "Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt für das Königreich Böhmen" (AUVA). Für ihn bedeutete das zwei Leben: Von 8 bis 14 Uhr befasst er sich mit Arbeitsunfällen in Fabriken und wie sie zu verhindern wären. Er plädiert für die Einführung runder Wellen in Hobelmaschinen statt der gefährlichen Vierkantwellen und schlägt sich mit Fabrikanten herum, die sich gegen die Versicherungsbeiträge wehren.

Und nachts, wenn die Wohnung endlich ruhig geworden ist, schreibt er seine Geschichten. Welches Leben sein eigentliches ist, stand für ihn fest, aber seinen Eltern hätte er es nie begreiflich machen können: "Er hat das Bewusstsein gehabt, dass er in der Sprache lebt. Die Sprache war sozusagen sein Sauerstoff, sein Lebensstoff", sagt sein Biograf Reiner Stach.

Foto: © Assicurazioni Generali, Triest

2. Juli 2008, 11:562008-07-02 11:56:00 ©