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Zum 30. Todestag von Romy Schneider:Verzweifelte Femme Fatale

Romy Schneider, in den Siebzigern die Grande Dame des französischen Kinos, konnte sich in Deutschland nie von ihrem Image als zuckersüße Sissi lösen. 30 Jahre nach ihrem Tod bleibt ihr Lächeln unvergessen und geheimnisvoll. Wie ihre Filme. Ihr Leben in Bildern.

Matthias Huber

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Romy Schneider, in den Siebzigern die Grand Dame des französischen Kinos, konnte sich in Deutschland nie von ihrem Image als zuckersüße Sissi lösen. Privat hatte die Schauspielerin mit einigen Schicksalsschlägen zu kämpfen. 30 Jahre nach ihrem Tod bleibt ihr Lächeln unvergessen und geheimnisvoll. Wie ihre Filme. Eine Hommage in Bildern.

So lernt eine ganze Generation sie kennen und lieben. Als "junge Kaiserin" Sissi wird Romy Schneider zum international gefeierten Star. Bereits mit 17 Jahren trägt die gebürtige Wienerin auf der Leinwand die österreichische Kaiserkrone. Ihre Eltern bringen sie zur Schauspielerei: Der Vater, Wolf Albach-Retty, entstammt einer berühmten österreichischen Schauspieler-Dynastie. Und an der Seite ihrer Mutter Magda Schneider erlebte Romy - geboren als Rosemarie Magdalena Albach - 1953 ihr Leinwanddebüt in Wenn der weiße Flieder blüht.

Höhepunkt ihrer frühen Karriere ist aber unbestreitbar 1955 bis 1957 die Sissi-Trilogie. Auch hier spielt ihre Mutter eine Rolle: Wer die Tochter wolle, müsse die Mutter in Kauf nehmen, soll es damals in Schauspielerkreisen geheißen haben.

SISSI, DIE JUNGE KAISERIN (Österreich 1956, Regie: Ernst Marischka)

Text und Bildauswahl: Matthias Huber

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In ihrer Rolle als Kaiserin Elisabeth von Österreich erobert Romy Schneider noch als Teenager die Herzen der Deutschen. Rund sechs Millionen Kinobesucher sehen allein in Deutschland jeden der drei Filme.

Für die gerade erst volljährige Schauspielerin wird die Rolle jedoch bald zur Last. Bereits im zweiten Film der Reihe tritt sie nur widerwillig auf und folgt dabei lediglich dem Willen ihres Stiefvaters Hans Herbert Blatzheim - Schneiders Eltern hatten sich bereits 1943 voneinander getrennt. Auf den dritten Film, Sissi - Schicksalsjahre einer Kaiserin, folgt 1957 endgültig die Emanzipation, und die ehrgeizige Romy Schneider beginnt, ihre Rollen selbst auszuwählen. "Als Sissi kann ich nicht mehr geben, als mir das Drehbuch erlaubt. Aber ich bin weder lieb noch herzig", wird sie in der Biografie "Romy Schneider - Mythos und Leben" aus ihrem Tagebuch zitiert.

Das Angebot, in einem vierten Film als Sissi zu spielen, lehnt sie folgerichtig ab. Stattdessen zieht es die gerade einmal 20-Jährige nach Paris.

SISSI - SCHICKSALSJAHRE EINER KAISERIN (Österreich 1957, Regie: Ernst Marischka)

Vor 30 Jahren starb Romy Schneider

Quelle: dapd

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Dort verliebt sie sich in Alain Delon, den sie 1958 am Set von Christine kennengelernt hatte. Mit dem damals noch weitgehend unbekannten Franzosen verlobt sie sich im März 1959. Nur wenige Tage später, am 30. März desselben Jahres, entsteht dieses gemeinsame Bild auf der Oster-Gala in Monaco.

Trotz des privaten Glücks kommt ihre Karriere mit dem Umzug nach Frankreich ins Stocken, die Rollenangebote bleiben aus. Erst als Delon sie mit dem italienischen Regisseur Luchino Visconti bekannt macht, besetzt dieser sie 1961 für seine Inszenierung des Stücks Schade, dass sie eine Dirne ist im Théâtre de Paris.

Mit dem positiven Echo der Kritik kommen auch die reizvollen Angebote. Romy Schneider dreht in den nächsten Jahren Filme für Visconti, Orson Welles und Otto Preminger, und erhält 1963 die Chance, an der Seite von Jack Lemmon in ihrer ersten Hollywoodproduktion vor der Kamera zu stehen. Doch mit dem beruflichen Aufstieg beginnt der Absturz in ihrem Privatleben.

Romy Schneider: Am Leben und sich selbst gescheitert

Quelle: dpa

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Noch während der Dreharbeiten zu Leih mir deinen Mann erfährt sie aus der Zeitung von einer Affäre Alain Delons mit der französischen Schauspielerin Nathalie Barthélemy. Wieder zurück in Paris hat Delon 1964 die gemeinsame Wohnung bereits verlassen. Für Schneider bricht eine Welt zusammen: Sie schneidet sich die Pulsadern auf, kann aber noch rechtzeitig ins Krankenhaus gebracht werden.

Nach dieser gescheiterten Beziehung unternimmt sie einen letzten Versuch, in Deutschland zu einem bürgerlichen Leben zurückzukehren. 1966 heiratet sie den 14 Jahre älteren Regisseur und Schauspieler Harry Meyen (im Bild). Noch im selben Jahr kommt ihr gemeinsamer Sohn David zur Welt. In Berlin widmet sie sich zwei Jahre ganz ihrer Rolle als Ehefrau und Mutter, ehe sie erneut vor die Kamera tritt. Diese Rückkehr auf die Leinwand bringt auch ein Wiedersehen mit: Alain Delon.

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1969 steht das ehemalige Paar gemeinsam für Der Swimmingpool von Jacques Deray vor der Kamera. Die Klatschpresse erhofft sich dabei ein Wiederaufleben der alten Romanze, doch Romy Schneider scheint mit ihrem Filmpartner kein Problem zu haben: "Ich empfinde nichts mehr, es ist als ob ich eine Mauer umarme", schreibt sie zu der Zeit in ihr Tagebuch. Dem Erfolg des Films bei Kritik und Publikum schaden die fehlenden Schlagzeilen aber nicht.

DER SWIMMINGPOOL (LA PISCINE, Italien / Frankreich 1969, Regie: Jacques Deray)

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Mit Rollen wie in Swimmingpool gelingt es Schneider zusehends, sich von ihrem Sissi-Image zu emanzipieren und auch außerhalb Frankreichs als vielschichtigere Schauspielerin wahrgenommen zu werden.

Nur in Deutschland wird sie in den Jahren ihrer Ehe mit Meyen auf ihre Jugendjahre reduziert - und auf Gerüchte von Alkohol- und Medikamentenmissbrauch. Deshalb, so heißt es, hätten auch Reporter an den Sets ihre Mülleimer durchsucht, immer auf der Suche nach dem nächsten Skandal.

DER SWIMMINGPOOL (LA PISCINE, Italien / Frankreich 1969, Regie: Jacques Deray)

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Mehr Respekt erfährt Romy Schneider in Frankreich, wo sie zur Grande Dame des französischen Films reift. Allein in den Jahren 1970 und 1971 entstehen hier vier Filme mit ihr in der Hauptrolle, darunter auch Das Mädchen und der Kommissar. Als Prostituierte Lily (im Bild) lässt sich Romy Schneider vom Kriminalkommissar Max (Michel Piccoli) in eine Falle locken.

Schneider findet Gefallen an der Figur der Femme Fatale, lässt sich aber noch einmal darauf ein, die Sissi zu spielen: Für Luchino Viscontis Ludwig II. spielt sie 1972 die Kaiserin Elisabeth von Österreich, jedoch diesmal in einer historisch authentischeren Version. "Ich werde diese Rolle, den Charakter dieser Frau zum ersten Mal wirklich spielen", schreibt die damals 34-Jährige in ihrem Tagebuch.

DAS MÄDCHEN UND DER KOMMISSAR (MAX ET LES FERRAILLEURS, Frankreich / Italien 1971, Regie: Claude Sautet)

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In Deutschland und ihrem bürgerlichen Leben hält sie es nicht mehr länger aus. 1973 trennt sie sich von ihrem Mann und zieht gemeinsam mit ihrem Sohn David zurück nach Paris, zwei Jahre später lässt sich das Paar scheiden.

Die private Veränderung beflügelt ihre Karriere als Schauspielerin, in der Romy Schneider immer auch Trost suchte. Sie spielt an der Seite von Größen wie Richard Burton, Jean-Louis Trintignant und Klaus Kinski.

1973 und 1974 dreht sie innerhalb von nur zehn Monaten fünf Filme, darunter auch Nachtblende unter der Regie von Andrzej Zulawski. Für die Darstellung der erfolglosen Schauspielerin Nadine Chevalier, die sich mit Rollen in Softpornos über Wasser hält, erhält Schneider den César als beste weibliche Hauptdarstellerin.

In den immer zerrisseneren Figuren, die Romy Schneider in ihren Filmen verkörpert, spiegelt sich auch zunehmend ihr schwieriges Privatleben. 

NACHTBLENDE (L'IMPORTANT C'EST D'AIMER, Frankreich 1975, Regie: Andrzej Zulawski)

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Als sie sich 1975 scheiden lässt, ist sie bereits mit Daniel Biasini, ihrem elf Jahre jüngeren Assistenten liiert, den sie noch im selben Jahr heiratet. 1977 kommt die gemeinsame Tochter Sarah zur Welt.

Auch beruflich sind die ersten Jahre mit Biasini für Romy Schneider eine glückliche Zeit. Für Gruppenbild mit Dame erhält sie 1977 das Deutsche Filmband in Gold. Im Februar 1979 wird sie für Eine einfache Geschichte, ihre fünfte und letzte Zusammenarbeit mit ihrem Lieblingsregisseur Claude Sautet, erneut mit einem César ausgezeichnet. Sautet lobt seine Darstellerin: "Sie hat eine Art von Anständigkeit, die aus ihr selbst herausstrahlt und die sie unabhängig macht. Romy ist eine Herausforderung."

Das Glück sollte für Romy Schneider aber nicht lange anhalten. Nur zwei Monate nach der Preisverleihung begeht ihr Exmann Harry Meyen Selbstmord. Romy Schneider ist tief erschüttert und fühlt sich für seinen Tod verantwortlich: "Ich hätte mich mehr um ihn kümmern müssen", schreibt sie in ihr Tagebuch. Einige Monate später steht sie wieder vor der Kamera - 1979 noch für Blutspur und Die Liebe einer Frau, 1980 dreht sie Death Watch - Der gekaufte Tod und Die Bankiersfrau.

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1981 wird das Schicksalsjahr der Romy Schneider. Sie trennt sich von Daniel Biasini, sie muss sich wegen eines gutartigen Tumors ihre rechte Niere entfernen lassen - und sie verliert ihren Sohn. Der damals 14-jährige David verunglückt tödlich, als er beim Klettern über einen Zaun das Gleichgewicht verliert und im Fallen von einer Metallspitze aufgespießt wird.

Zur Therapie für ihre Trauer werden Tabletten, Alkohol - und ihre Arbeit als Schauspielerin: Im Oktober desselben Jahres bereits dreht sie Die Spaziergängerin von Sans-Souci. Die Geschichte des Films ist schmerzhaft nah an Romy Schneiders jüngster Erfahrung. Sie spielt darin eine Frau, die einen 13-jährigen Jungen in ihre Obhut nimmt. Dass sie die Dreharbeiten überhaupt bewältigen kann, habe sie dem Regisseur Jacques Rouffio zu verdanken: "Er erriet, wenn es für mich zu schmerzhaft war. Er verstand es, mir die richtigen Worte zu sagen." Die Spaziergängerin von Sans-Souci endet mit der Widmung "Für David und seinen Vater".

Vielleicht ist es diese Grenzerfahrung, in der Schauspiel und wahres Leben so nah zusammen kamen, die Romy Schneider dazu veranlasst, sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen zu wollen. Gemeinsam mit ihrem neuen Lebensgefährten Laurent Pétin ...

DIE SPAZIERGÄNGERIN VON SANS-SOUCI (LA PASSANTE DU SANS-SOUCI, Frankreich 1982, Regie: Jacques Rouffio)

Romy Schneider: Am Leben und sich selbst gescheitert

Quelle: dpa

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... sucht sie ein ruhiges Haus auf dem Land - und stößt auf finanzielle Probleme. Obwohl sie mit ihren Filmen Millionen verdient, steht Romy Schneider vor einem riesigen Schuldenberg. Ihr Stiefvater Hans Herbert Blatzheim, der ihre Einnahmen bis zu seinem Tod 1968 verwaltet hatte, veruntreute ihre gesamten Gagen. Und auch die Ex-Ehemänner Harry Meyen und Daniel Biasini hatten in der Scheidung hohe Geldbeträge erhalten und auf Kosten der Schauspielerin gelebt.

Das faszinierende Lächeln, mit dem sie zur Kaiserin, Prostituierten und Femme Fatale wurde, ist immer geheimnisvoll geblieben - wohl auch wegen der Trauer, die Romy Schneider ihr ganzes Leben begleitet. Im Alter von 43 Jahren starb Romy Schneider in der Nacht zum 29. Mai 1982 an ihrem Schreibtisch an Herzversagen.

Alice Schwarzer, die über Romy Schneider eine Biografie verfasst hat, sagt: "Wenn sie jetzt erleben würde, mit welchem Respekt und welchem Angerührtsein sich Deutschland 30 Jahre nach dem Tod erinnert, das wäre ein großer Trost."

© Süddeutsche.de/cag

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