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Zum 20. Geburtstag der Simpsons:"Liberale hassen Familien"

Hier die klügste und bissigste Trickfilmserie der Welt, dort das TV-Network von Rupert Murdoch, Hassobjekt der Linken: Wie die "Simpsons" mit ihrem eigenen Sender umgehen.

Das schönste Geschenk zum letzten Jubiläum - der 400. Folge - machten die Simpsons ihrem eigenen Sender. In der Episode "You Kent always say what you want" verliert der örtliche Fernsehmoderator Kent Brockman wegen Fluchens seinen Job.

Für die Simpsons ist der Arbeitgeber ein Geschenk: Regelmäßig nehmen die Autoren der Serie die Fox-Leute auf den Arm.

(Foto: Foto: 20th Century Fox)

Familie Simpson bietet ihm Asyl - und zusammen guckt man, was sonst so läuft. Fox, zum Beispiel. "Können 15 Stripperinnen eine Airline leiten?", fragt die Stimme auf dem Off. Dazu sieht man halbnackte Schönheiten in einem Cockpit rumturnen. "Der neue Reality-Hit von Fox", schwärmt die Stimme: "Landing Strip"; so nennt man im Englischen auch eine Form der Intimrasur. Homer Simpson ist begeistert: "Echte Menschen mit echten Problemen!" Tochter Lisa schaltet genervt um - auf Fox News, ausgerechnet. Vor einer wehenden US-Fahne kündigt der Moderator brüllend "den neuesten liberalen Skandal" an. Dann verfärbt sich der Bildschirm blutrot. "Ich hasse Liberale", knurrt Homer. Schnell schaltet Lisa wieder um. Später sieht man den Fox-Mann noch einmal. "Liberale hassen Familien", sagt er da.

Dass die Simpsons in den USA seit 20 Jahren bei Fox laufen, hat schon viele verwirrt. Hier die klügste und bissigste Trickfilmserie der Welt. Dort das TV-Network von Rupert Murdoch, das vor allem wegen des krawalligen konservativen Nachrichtenkanals Fox News ein Hassobjekt der Linken ist.

Für die Simpsons aber ist der Arbeitgeber ein Geschenk. Regelmäßig nehmen die Autoren der Serie die Fox-Leute auf den Arm. Da wird eine TV-Debatte zwischen Krusty, dem Clown (und glühenden Republikaner) und einem Demokraten gezeigt. Krusty ist mit Heiligenschein zu sehen, sein Gegner mit Teufelshörnern und UdSSR-Flagge. Am Bildrand läuft derweil ein Schlagzeilen-Ticker: "90 Prozent aller Demokraten sind schwul."

Höhepunkt der Selbstbespiegelung war 1999 die Folge "Sunday, Cruddy Sunday". Homer und seine Kumpels fahren zum Super Bowl und treffen Murdoch höchstpersönlich. Der Fox-Eigentümer stellt sich als "milliardenschwerer Tyrann" vor. Dann verjagt er alle. Dass Murdoch und Fox sich solche Frechheiten gefallen lassen, kann einzig und allein am Riesenerfolg der Serie liegen. Andernfalls müsste man dem Tyrannen ja Humor unterstellen. Und diese Demontage eines Feindbildes wäre wohl selbst den Simpsons zu verwegen.

Simpsonize me!

Sind wir nicht alle ein bisschen gelb?