Angst vor Fremden (Xenophobie)

Die Angst vor Fremden ist in Deutschland tief verwurzelt. Schließlich ist unsere Region seit Jahrhunderten Transitstrecke, in alle Richtungen. Hier wollten immer schon alle durch: Kimbern und Teutonen, Holländer und Polen, Volvo und Renault. Die Grundlage für die Furcht vor ihnen ist uns dennoch nicht abhanden gekommen: Unwissenheit. Man kann die Fremden nicht einschätzen. Zum anderen weiß man nicht, wie viele von ihnen noch kommen. Oder ob sich die bereits Anwesenden nicht schneller vermehren als man selbst. In beiden Fällen geriete man zügig in die Minderheit und wäre nicht mehr Herr im eigenen Haus. Man stelle sich vor, es wandern am Ende auch noch Sarazenen, also Araber, ein und werden hier Bundesbankvorstand und Bestsellerautor! (Im Bild: Thilo Sarrazin)

In Deutschland beschränkt man sich daher darauf, den Zugereisten und Zuwanderern das Leben schwer zu machen. Durch Beleidigung, Bedrohung oder behördliche Willkür. Allerdings reichen selbst Rassismus und Armut meist nicht aus, um den sogenannten Zuwanderern eine Rückkehr in die Heimat schmackhaft zu machen, da die Lebensbedingungen hierzulande trotzdem noch einladender sind als in den meisten anderen Ländern der Welt. Lediglich das schlechte Wetter und unsere Cherophobie (Angst vor Fröhlichkeit) fallen negativ ins Gewicht. Kein Vergleich allerdings zu Hinrichtung, Folter oder Zwangssterilisation.

Seit der sogenannten Völkerwanderung sind wir Deutschen aber auch immer wieder mit größeren oder kleineren Gruppen in unsere Nachbarländer eingefallen. Vermutlich, um unsere Angst vor der Fremde zu überwinden, unterwerfen wir - in Form des militärischen Einmarschs oder durch den sogenannten Tourismus - mittlerweile auch weiter entfernt liegende Regionen. Zu einem größeren Verständnis dieser fremden Kulturen hat uns das bekanntlich nicht geführt. Allerdings haben wir im Ausland durch unser Sozialverhalten, unsere Kleidung, unser Auftreten und unseren Alkoholkonsum unsererseits Fremdenangst ausgelöst. Quid pro quo.

Größte Feinde: Urlaub, Neugier, Hunger, Integration

Verwandte Ängste: Angst vor dem Aussterben (Sarrazinophobie), Angst vor Impotenz

Bild: Getty Images 13. März 2013, 07:342013-03-13 07:34:00 © Süddeutsche.de/rus/cag