Eigentlich hat dieser Film, konzeptionell gesehen, fast alles, was es bräuchte: vier einsame Männer vom Land, die Frauen suchen; vier Single-Städterinnen, die den Kerlen ebenso gierig, weil so lange schon ungeliebt, in die Arme reisen. Dazu störrische Nebenfiguren, eine charmant-marode Dorfkulisse und, als stets ins weiche Licht gerückter Bildhintergrund: das zauberhafte Schleswig-Holstein.
Suche für drei liebevolle Männer die passenden Ehefrauen
Der Einstieg ist noch kernig. Nacheinander erzählen Fiedje (Jens Münchow), Knud (Jan-Peter Heyne) und Heinrich (Bjarne Mädel) stotternd und kopfkratzend, was sie so suchen. "Normal. Mit Kopf und allem drum und dran", sagt Gastwirt Knud. "Tierlieb", sagt Bauer Heinrich; er teilt sich seinen Hof mit einem alten Besen namens "Tante Borste" und ist, wie sich herausstellt, mit 40 Jahren noch Jungfrau (aber nicht mehr lange!). Zwischendurch werden die Kerle von Dorfpastor Hans-Uwe (Peter Heinrich Brix) freundlich grummelnd korrigiert, sodass das Ganze nicht allzu abschreckend wirkt.
"Suche für drei liebevolle Männer die passenden Ehefrauen. Alter und Aussehen egal. Gerne tierlieb", schreibt der Geistliche in die Zeitungsannonce und unterschlägt sich selbst dabei. Die Annonce wiederum liest die schon angefaltete, aber immer noch sehr energische Ruhrpottlady Petra (Ulrike Kriener; mit Leopardenoberteil, Lederhose und Kippe) und ist flugs mit drei Freundinnen (jung und mit Tochter; mittelalt-verschmust; grauhaarig-abgebrüht) auf dem Weg ans Meer.
Das Problem mit dieser "turbulenten Beziehungskomödie" (ZDF), die von Lars Jessen (Dorfpunks) zwar routiniert gefilmt wurde und einige lakonische, zumindest überdurchschnittliche Dialogpassagen vorweist, ist ihre totale Biederkeit. "Butter bei die Fische" ist ein fast perfektes Beispiel für jene durchnormierte, unterkomplexe Art, Programm zu machen, für welche das öffentlich-rechtliche Fernsehen im Abspann zur Affäre Doris Heinze wieder mal und zu Recht in der Kritik steht. Ein Programm, das so erwartbar ist, dass man problemlos zwischendrin einkaufen gehen könnte, ohne befürchten zu müssen, der Handlung hinterher nicht mehr folgen zu können.
Wuschelhaar, Holzfällerhemden und Maulfaulheit
Natürlich finden die unwahrscheinlichen Paare am Ende zusammen; bis auf die abgebrühte Graugans, aber die verabschiedet sich sehr warmherzig von ihrem Wirtsmann. Der Sohn der energischen Petra, erst als liebloser Karrierist mit Mutterneurose eingeführt, entpuppt sich am Ende als Retter der maroden Dorfkirche, unter deren Baugerüst Bauer Fidje - aber nicht lebensbedrohlich! - begraben wird. Und die Rockermama reitet auf Pastors Motorrad ins Glück.
Regisseur Jessen, heißt es beim ZDF, sei der Mann mit dem Blick fürs Nordische: weil er selbst von dort kommt. Seinem Film sieht man auch das nicht an. Die Männer, die unter widrigen Umständen (Frau weg, Frau tot, Tante Borste) verhärtet beziehungsweise verblödet sind, erinnern mit ihrem Wuschelhaar, den Holzfällerhemden und der Maulfaulheit an regional völlig austauschbare Provinzabziehbilder, wie man sie aus zig anderen, vielfach auch öffentlich-rechtlichen Produktionen kennt. Man hat das alles schon mal gesehen. Zu oft gesehen.
Butter bei die Fische, ZDF, 20.15 Uhr.