Zauberei:Übersinnlich

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Zauberei: Fremde Gedanken lesen, als wären es die eigenen: Amélie van Tass und Thommy Ten.

Fremde Gedanken lesen, als wären es die eigenen: Amélie van Tass und Thommy Ten.

(Foto: Sebastian Kono)

Thommy Ten und Amélie van Tass sind Weltmeister der Mentalmagie. Jetzt gastieren die Österreicher in München

Von Barbara Hordych

Es gibt Situationen, in denen man gar zu gerne glauben würde, was die beiden Menschen, die in der Sofaecke der "Abendschau" des Bayerischen Fernsehens sitzen, vollbringen. Obwohl man weiß, dass es eigentlich unmöglich ist. Und obwohl die beiden sympathischen Österreicher Thommy Ten und Amélie van Tass, Weltmeister der Mentalmagie, zuvor im Gespräch selbst vehement bestritten haben, zaubern zu können. Trotzdem wird man Zeuge, wie die beiden die Gedanken des Moderators Roman Roell "lesen", zu seiner und der eigenen Überraschung. Was genau ist passiert?

Gleich mehrere dicke Wälzer hat Thommy Ten, der mit bürgerlichem Namen Thomas Höschele heißt und wie seine Partnerin auf der Bühne und im Leben aus dem österreichischen Sankt Pölten stammt, auf den Couchtisch gelegt. Die Auswahl sei zufällig, behauptet er, es seien Bücher, die seine Frau Amélie, die eigentlich Christina Gruber heißt, bei ihrer letzten Flugreise mitgeschleppt habe. Kurzer Einschub: Diese Flüge absolvieren die beiden häufiger, denn als "The Clairvoyants" sind sie in Amerika eine Berühmtheit, seit sie bei "America's Got Talent", einer der größten Talentshows der Welt, gewonnen haben. Von diesem Dienstag an gastieren sie im Zuge ihrer Europatournee für sechs Abende im Prinzregententheater, um auch die Münchner zu verzaubern.

Zurück zu den Büchern. Roman Roell hat die freie Wahl unter den Wälzern und greift sich einen davon heraus. Er solle in dem Buch eine beliebige Seite aufschlagen, sich ein Wort herausgreifen und im Gedächtnis bewahren, sagt Thommy Ten. Zugegeben, der Magier redet weiter, während Roell sucht. Vielleicht ist auch sein Hinweis, das Wort könne ruhig lang und kompliziert sein, eine Form subtiler Beeinflussung. Trotzdem. Erklärt es die Tatsache, dass Amélie van Tass kurze Zeit später errät, dass es sich bei dem ausgewählten Begriff um "Raumwahrnehmung" handelt? Und erklärt es darüber hinaus, dass Thommys verdeckt entstandene Kritzeleien auf einer Tafel sich als eine Zahlenkombination entpuppen, die die genaue Seitenangabe und Rubrizierung bezeichnet, mit der "Raumwahrnehmung" im parat liegenden Duden zu finden ist?

Der zuvor so locker plaudernde BR-Moderator ist erst einmal sprachlos, ebenso wie die Zuschauer der Live-Sendung. Schließlich hätte er auch jeden anderen Begriff nehmen können, beteuert er nach der ersten Überraschung wortreich. Aber er hat genau den gewählt, den Amélie van Tass erraten hat. Natürlich würde man gern dieses Phänomen ergründen. Befragt man die beiden 30-jährigen Magier nach ihrem Auftritt dazu, verraten sie einem Folgendes: "Ich arbeite viel mit Intuition", sagt Amélie, eine ausgebildete Tänzerin und studierte Sozialpädagogin. "Und ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Suggestion und Rhetorik", räumt Kommunikationswissenschaftler Thommy ein. Sich mit etwas beschäftigen, ist ein dehnbarer Begriff. Manche Menschen meinen damit, dass sie sich zwei Stunden in der Woche einem Hobby widmen. Im Falle von Thommy Ten und Amélie van Tass heißt es, mehrere Stunden am Tag zu üben, praktisch immer und überall, mit unbekannten Menschen als Spielpartnern und "Wirklichkeitsfaktoren".

Vielleicht muss man es aber auch gar nicht erklären. Vielleicht ist es schöner, sich stattdessen einfach auf das Phänomen einzulassen. Denn es ist zauberhaft gut gemacht, egal wie.

Thommy Ten & Amélie van Tass; Di., 20., bis So., 25. März, 19.30 Uhr, Prinzregententheater

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