LiteraturDie Parabel auf den autoritären Zeitgeist

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Menschen wie er sind gemeint, wenn in rechten Kanälen von der „Elite“ die Rede ist: Zeitungsleser in einem Café in Tel Aviv.
Menschen wie er sind gemeint, wenn in rechten Kanälen von der „Elite“ die Rede ist: Zeitungsleser in einem Café in Tel Aviv. (Foto: Ariel Schalit/AP)

Ein erfolgloser Journalist, der sich zum rechten Influencer wandelt: Mit seinem Roman „Chamäleon“ schreibt der israelische Anwalt und Schriftsteller Yishai Sarid das beklemmend plausible Psychogramm eines Opportunisten.

Von Felix Stephan

Im schlechtesten Fall erzählt moralische Literatur vom Zerfall der Gesellschaft, im besten vom Zerfall des Ich. Das geht dann beispielsweise so: Aufstieg und Fall einer nicht näher bestimmten Romanfigur vollziehen sich gleichzeitig, sie steigt gesellschaftlich auf, moralisch aber ab. Um in einer schlechten Welt zu reüssieren, muss sie selbst schlecht werden. Karriere geht in dieser Gleichung immer mit Selbstverrat einher. Das Innere und das Äußere, das Selbstbild und das Gesellschafts-Ich driften so lange auseinander, bis die Kluft nicht mehr zu überbrücken ist, die Figur von der Leere in ihrer Brust verschluckt wird und der Roman zu Ende ist.

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