Klage gegen Filmstudio:Fünf Millionen Dollar Schadenersatz

Lesezeit: 2 min

Klage gegen Filmstudio: Der Grund für den Streit: die Schauspielerin Ana de Armas, hier im Bond-Film "Keine Zeit zu sterben".

Der Grund für den Streit: die Schauspielerin Ana de Armas, hier im Bond-Film "Keine Zeit zu sterben".

(Foto: Nicole Dove/MGM/Universal)

Kann man ein Hollywoodstudio verklagen, wenn ein Film nicht hält, was der Trailer verspricht? Zwei Fans der Schauspielerin Ana de Armas versuchen es.

Von David Steinitz

Zwei Männer haben am Freitag in den USA eine Sammelklage gegen das Hollywoodstudio Universal eingereicht. Conor Woulfe aus Maryland und Peter Michael Rosza aus San Diego erklären darin, sie hätten sich den Trailer zur Musical-Komödie "Yesterday" (2019) angeschaut und darin eine ihrer Lieblingsschauspielerinnen entdeckt: Ana de Armas, unter anderem bekannt aus dem letzten James-Bond-Film "Keine Zeit zu sterben". Allein wegen ihr hätten sie sich "Yesterday" bei Amazon Prime als Video on Demand ausgeliehen. Nur um dann festzustellen, dass de Armas aus der finalen Fassung des Films herausgeschnitten wurde, und also darin gar nicht vorkommt. Woulfe und Rosza halten das für Betrug. Der Trailer sei irreführende Werbung.

Die Branchenzeitschrift Variety zitiert aus der Klageschrift: "Weil den Vebrauchern durch den Trailer ein Film mit Ana de Armas versprochen wird, sie aber keinen Film mit Ana de Armas bekommen, haben die Verbraucher für ihr Geld keinen Gegenwert erhalten." Die empörten Kläger bezahlten jeweils 3,99 Dollar Online-Miete für "Yesterday". Jetzt fordern sie "mindestens fünf Millionen Dollar" Schadenersatz, um betroffene Kunden für ihre Fehlausgaben zu kompensieren.

2011 hatte eine Frau geklagt, die sich durch den Trailer zu "Drive" mit Ryan Gosling betrogen fühlte

Was auf den ersten Blick komplett plemplem klingt, hat in Hollywood allerdings eine Vorgeschichte. Denn die Klage ist kein Einzelfall. 2011 zum Beispiel zog Sarah Deming aus Michigan vor Gericht. Sie hatte einen Trailer für den Film "Drive" mit Ryan Gosling in der Hauptrolle gesehen und freute sich, aufgrund der Bilder im Trailer, sehr auf einen Actionfilm mit vielen Verfolgungsjagden. Der Film entpuppte sich für sie dann aber als fades Drama mit viel Gerede und wenig Action. Daraufhin verklagte sie vor einem Bezirksgericht in Oakland den Filmverleih und das Kino, in dem sie den Film gesehen hatte, wegen Betrugs. Die Klage wurde letztlich abgewiesen, ging aber vorher durch mehrere Instanzen und wurde dort ernsthaft diskutiert. Weshalb sich jetzt auch die "Yesterday"-Kläger Chancen ausrechnen dürften, zumindest angehört zu werden.

Klage gegen Filmstudio: Himesh Patel in der Komödie "Yesterday" (2019), aus der Ana de Armas herausgschnitten wurde.

Himesh Patel in der Komödie "Yesterday" (2019), aus der Ana de Armas herausgschnitten wurde.

(Foto: Universal)

Warum Ana de Armes in dem fertigen Film nicht mehr vorkommt, hat der Drehbuchautor des Films bereits vor einiger Zeit erklärt. Richard Curtis, 65, ist ein Profi, was romantische Komödien angeht. Er erfand "Vier Hochzeiten und ein Todesfall", "Notting Hill" und "Tatsächlich Liebe". Für "Yesterday" dachte er sich eine besondere Prämisse aus. Der Held des Films wacht nach einem Unfall in einer Welt auf, in der sich niemand außer ihm an die Beatles erinnert - und steigt mit ihren Songs zum Superstar auf. In einer Szene sollte er in der Fernsehshow des echten TV-Moderators James Corden auf Ana de Armas treffen und sie mit seiner Coverversion des Songs "Something" bezirzen. Die Szene wurde gedreht und gefiel den Filmemachern außerordentlich gut. In Testvorführungen des Films kam sie beim Publikum aber nicht gut an, weil der Held eigentlich in eine andere Frau verliebt ist und sie ihn lieber nicht so promiskuitiv sehen wollten. "Also haben wir die Szene zum Wohle des Ganzen herausgeschnitten, auch wenn das sehr schade war", sagte Curtis dem Magazin Cinemablend.

Weil in Hollywood die ersten Trailer zu einem Film meist schon veröffentlicht werden, bevor der Film fertig geschnitten ist, oft sogar noch, bevor er fertig gedreht ist, kommt es regelmäßig zu kleineren und größeren Unterschieden zwischen Trailer und Endprodukt. Ob der daraus resultierende Fan-Schmerz im Fall von "Yesterday" so belastend ist, dass er mit fünf Millionen Dollar kompensiert werden muss, darf jetzt ein Gericht entscheiden. Das Filmstudio Universal, des Betrugs beschuldigt, hat sich in der Causa bislang nicht geäußert.

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