Wurzeln des Punk und Zukunft von Heavy Metal Schwarze Glückseligkeit bei harten Klängen

Warum sollen schwarze Kids keine weiße Musik spielen? Beim AfroPunk-Festival in Brooklyn zeigten die Urväter des Punk von "Death" und drei Schuljungen eine Zukunft des Rock auf, in der sogar "Heavy Metal" tiefschwarz sein könnte.

Von Peter Richter, New York

Gerade erst am Wochenende bei dem Geheimkonzert der Dwarves im Grand Victory in Williamsburg konnte man das Phänomen wieder beobachten. Die Dwarves, muss man dazu wissen, haben früher selten ein Konzert zu Ende gespielt. Manchmal war nach ein paar Minuten schon alles gelaufen: Musik, Oralsex, Schussverletzungen, Prügelei mit Publikum und Cops.

Heute geht es bei ihnen nicht mehr unter Garantie blutig zu, aber immer noch ziemlich wüst. Die Dwarves sind die letzten Helden des sogenannten Scum Punk und halten, der Name sagt es, das Abschaumhafte an sich in hohen inszenatorischen Ehren und machen sehr artistisch Musik dazu.

Es ist also weit nach Mitternacht, der Türsteher murmelt etwas in der Richtung von: "Scheißidee, aber mir doch egal, wenn der Laden nachher Müll ist", und dann lässt er resigniert exakt 75 Leute rein, die überwiegend aussehen (oder sich zurecht gemacht haben) wie die debilen weißen Hillbillys in Tarantinos "Django Unchained".

Plus einen, der aussieht wie Django selber. Schwarz, groß, schweigsam und das eleganteste Slayer-T-Shirt, das je gesehen ward (cremefarben!).

76 steht hier deshalb, weil in dem Laden mehr Gäste polizeilich nicht erlaubt sind und man ihm wirklich keine Schwierigkeiten wünschen möchte. Anders ausgedrückt: es können vielleicht auch 150 gewesen sein. Aber darunter eben nur ein einziger Schwarzer. Das war dann der, der beim Herumtoben den allermeisten Spaß zu haben schien.

Der Wunsch nach dem Freigang in der Welt des Viervierteltakts

Warum ist das so? Warum kommt selbst in den USA auf 150 Weiße in einem Konzert mit harten Gitarren, Totenkopf-Ästhetik und fliegenden Bierbechern oft nur ein Farbiger. Oder ist das schon viel? Dabei ist ja überhaupt nicht einzusehen, warum das eine Einbahnstraße sein soll, wenn Weiße sich kontinuierlich schwarze Musik einverleiben, Jazz, Blues, Soul, Funk, Disco, Reggae, Rap, einfach alles, hörend wie machend.

Als ob das ein Käfig aus Synkopen wäre, in den man nur rein darf, aber nicht raus. Es gibt Poptheoretiker, für die der Wunsch nach Freigängen in der Welt des Viervierteltakts auch nichts anderes als Regression und Verrat sein können. Aber diesen Wunsch gibt es offensichtlich, und wozu sind Bass, Gitarren und Doppelfußmaschinen da, wenn nicht dazu, langweilige Theorien zu übertönen.

James Spooner hat davon vor Jahren in seinem Film "Afro Punk" von Jungs wie ihm selbst erzählt: von schwarzen Kids, die nicht einsehen wollten, warum sie nicht ihren Teil abbekommen sollten von diesem ästhetischen Schlaraffenland, in dem die Genüsse Drastik, Wutlust, Krassheit oder auch "Sickness" heißen. Es gibt neben dem Cool ja auch noch etwas anderes, und das kann auch ziemlich cool sein. In einer Videothek steht die Abteilung mit den Horrorfilmen ja auch allen offen.