Wie es sich für einen Literaturredakteur gehört, saß Wolfgang Werth eingemauert von Büchern in seiner Redaktionsecke im alten Haus der SZ in der Sendlinger Straße. Es war nur ein Durchgangszimmer, und nebenan telefonierte das Sekretariat. Arbeiten konnte da kein Mensch, aber Werth konnte es, selbst wenn Joachim Kaiser das Diktat zum Klavierkonzert vom Abend davor im Herkulessaal unterbrach, um seinen Zuhörern zum wiederholten Mal auseinanderzusetzen, dass es Sergiu Celibidache niemals würdig wäre, einem Maestro wie Karajan den Taktstock zu reichen.
NachrufEin Mann mit verschollenen Manieren
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Wolfgang Werth floh aus der DDR, war mit der Gruppe 47 in den USA, stritt sich mit Handke und leitete fast drei Jahrzehnte lang die Literaturredaktion der SZ. Nun ist er im Alter von 88 Jahren gestorben.
Von Willi Winkler
