Wohnen in Hamburg "Club-Lounge", von Karl Lagerfeld möbliert

Die Marketing-Abteilung der Frankonia hat eigens ein Video zum Projekt in Auftrag gegeben. Untermalt von zarten Klavierklängen, wie man sie aus der Dallmayr-Werbung kennt, umkreist die Kamera den markanten Bau auf dem wehrhaften Sockelgeschoss und nähert sich der eindrucksvollen Pfeilerhalle, deren üppige Treppenanlage - nur im Video! - mit einem roten Teppich belegt ist. Das hätte sich auch Albert Speer senior ausdenken können. Der Teppich endet in einer "Club-Lounge", die demnächst von Karl Lagerfeld möbliert wird. Es ist der alte Nazi-Festsaal. Im Video gibt es die beiden riesenhaften Adler noch. Sie sitzen auf dem Mittelrisalit-Gesims und werfen einen bedrohlichen Schatten auf die Fassade.

Sechs Millionen Euro hat die teuerste (längst verkaufte) Wohnung auf dem Areal gekostet. Bis zu 20.000 Euro je Quadratmeter zahlt man für andere Wohnungen der Sophienterrassen. Eine Einzimmer-Wohnung im Erdgeschoss ist schon für eine knappe halbe Million Euro zu haben. Der Stellplatz käme allerdings noch hinzu: 59.500 Euro.

Johannes Kister vom Kölner Architekturbüro KSG ist der Chefplaner des Projekts. Er weiß nichts von Verwerfungen, Anwälten oder gar Drohungen, von einem Interessenkonflikt zwischen einer Stadt, die investorenfreundlich sein will, und dem Denkmalschutz, der den Bau, in dem der Angriff auf Dänemark vorbereitet wurde, "als einziges namhaftes öffentliches Gebäude aus der Zeit des Dritten Reichs in Hamburg" (Kunsthistoriker Hermann Hipp) schützen will. Oder besser: schützen wollte. Das Credo des Architekturbüros lautet: "Die Seele des Alten bewahren - ohne Dogma, doch mit Sachverstand".

Entkernter Nazi-Bau

So wenig Dogma war selten: Vom Nazi-Bau steht nur noch eine dünne Wand, der Rest wurde "entkernt". Bis auf ein paar Tresortüren im Keller, bis auf den Festsaal, der auf Lagerfeld wartet, bis auf ein Treppenhaus: alles weg. "Diesen Kampf", so Krauß, "haben wir verloren."

Wer trägt die Verantwortung? Der Investor? Der Architekt? Das Amt, die Stadt? Oder auch die Premiumbewohner? Eine alternative Nutzung, Büros etwa, mit der man das Denkmal als Ganzes hätte erhalten können, war "den Anwohnern" nicht zu vermitteln. Der Investor hat Baurecht und unterläuft den Denkmalschutz zumindest nicht auf illegale Weise. Vor allem dann, wenn die Adler wieder an ihren Platz kommen. Die Frage ist eher, ob all das legitim ist: ob die Gesellschaft so verfahren will mit ihrem unbequemen Erbe.

Die Nazi-Fassadentapete ist grün derzeit. Schmitz hätte gern "ein strahlendes Weiß". Das Weiß der Harvestehuder Villen und der fröhlichen Segelboote auf der Alster. Warum auch nicht? Auf dem Areal des ehemaligen KZ in Ravensbrück sollte mal ein Supermarkt gebaut werden. Das wurde zum Skandal. Aber Skandale sind nicht gesellschaftsfähig in Harvestehude.