Wikileaks-Verfilmung Jäger der verlorenen Akten

Dunkle Geheimnisse, mutige Informanten, Gegner in höchsten Positionen: Die Nachricht, Steven Spielberg wolle die Wikileaks-Story verfilmen, geistert seit Tagen durch die Medien. Aber stimmt sie überhaupt?

Von Tobias Kniebe

Dunkle Geheimnisse, mutige Informanten, Gegner in höchsten Positionen: Die Wikileaks-Story, demnächst in Ihrem Kino - inszeniert von keinem geringeren als Steven Spielberg. Diese Vision, geboren aus der nicht ganz uneigennützigen Phantasie des britischen Guardian, geistert seit zwei Tagen durch die Weltpresse. Allzu ernst nehmen sollte man sie nicht - zumal sich der Guardian bereits wieder korrigieren musste, was Spielbergs direkte Beteiligung angeht.

Passt die Wikileaks-Geschichte überhaupt ins Spielberg'sche Beuteschema? Kar ist bislang nur, das Studio Dreamworks die Rechte an zwei aktuellen Wikileaks-Büchern erworben hat.

(Foto: dpa)

Verbürgt ist derzeit nur, dass das Studio Dreamworks die Rechte an zwei aktuellen Wikileaks-Büchern erworben hat: "Wikileaks: Inside Julian Assange's War on Secrecy", von den beiden Guardian-Journalisten David Leigh and Luke Harding. Und Daniel Domscheit-Bergs "Inside Wikileaks". Dreamworks ist Spielbergs Firma, so viel ist klar - das Studio entwickelt aber auch zahlreiche Projekte für andere Regisseure.

Und selbst von jenen, die der Meister für sich selbst reserviert, inszeniert er am Ende doch nur einen Bruchteil persönlich. Das komplexe, höchst aktuelle und moralisch verworrene Wikileaks-Drama, das im besten Fall einen Film im Stil von David Finchers "The Social Network" ergeben könnte, entspricht so gar nicht dem bisher bekannten Spielberg'schen Beuteschema. Es fehlt, um es mal so zu sagen, die sentimentale Fallhöhe.

Als Erstes muss Dreamworks jetzt einen Autor für das Drehbuch finden, und auch der wird nicht sofort loslegen können: Die ganze Geschichte funktioniert kaum ohne jene Hauptfigur, die Hunderttausende Geheimdokumente an Wikileaks weitergeleitet hat - hier könnte der Prozess gegen den mutmaßlichen Whistleblower Bradley Manning, dem die Todesstrafe droht, völlig neue Erkenntnisse bringen. Weiterhin ist offen, ob Wikileaks derzeit wirklich handlungsfähig ist, und gegen Assange steht ein Prozess in Schweden bevor. Gut möglich also, dass man erst einmal längere Zeit nichts mehr von dem Filmprojekt hören wird. Auch das wäre in Hollywood keine Seltenheit.

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