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Wigald Boning:Bekenntnisse eines Nacktsportlers

"Bekenntnisse eines Nacktsportlers" wäre auch kein schlechter Titel gewesen, dann Boning verrät: "Ich bin gerne nackt. Kein Wunder, wenn man jahrelang berufsbedingt Anzüge aus Polyurethan, Kunstrasen oder Kartoffelschalen trug." Der bebrillte Nackedei rennt nach dem Saunagang im heimischen Bernbeuren schon mal 250 Meter im Adamskostüm herum oder hüpft im Hotelzimmer unbekleidet - bei einem guten Fernsehprogramm - eine Dreiviertelstunde mit dem Springseil auf und ab. Der Mann lässt nichts aus. Der Frage, ob Exhibitionismus zum Beruf gehöre, weicht er eher aus.

FKK-Fan Boning lebt im Allgäu, und der geneigte Leser erfährt, dass er zum TV-Drehtermin und zur Zweitwohnung in München sehr gerne radelt. "Da steht man nicht im Stau", erklärt der Pedaleur. Auch bei Arbeitsterminen in der Fremde sei er oft mit dem Klapprad unterwegs - zum Pressegespräch auf der Leipziger Messe aber fuhr Boning nach eigenem Bekenntnis mit dem Auto. Dabei standen die Autos vor der Leipziger Messe auch im Stau.

Der Autor erzählt, dass er als "Suchtmensch" schon immer dazu geneigt habe, sich einer Sache exzessiv hinzugeben (zum Beispiel als Spieler von Saxofon und Querflöte), dass aber der Sport nun die liebste seiner Süchte sei. Einen tieferen Sinn sieht er nicht dabei, auch keine späte Kompensation früherer Misserfolgserlebnisse: Bei den niedersächsischen Landesmeisterschaften im Diskus brachte Boning einst keinen gültigen Wurf zustande - und schied dann aus. So etwas kann quälen.

Seine sportiven Erfahrungen würden Hinweise geben, wie man faszinierende Abenteuer erleben kann, glaubt Boning, und empfiehlt seinem Leipziger Publikum, einfach mal drauflos zu radeln. In seinem Buch schreibt er von einer "elefantösen Vergrößerung des Selbstbewusstseins".

Inline-Skates mit Jürgen Drews

Das ist schon was, denn bei so viel Elefantösem ist ein normaler Marathon schnell eine langweilige Petitesse. Wenn der Nachtsportler da mitläuft, dann mit gelber Krawatte wie vor einigen Jahren in Hamburg. Was ist nicht alles passiert in den vergangenen Jahren im Leben des Wigald Boning!

Er rennt die 72 Kilometer des "Ems-Jade-Laufs", immer schön durch Moore durch, er entdeckt auf seiner Lieblingssportseite www.steppenhahn.de das "Extreme Mountain Running", er ist daraufhin beim Tegelberglauf, Zugspitz-Extremberglauf , Oberstaufener Alpinmarathon sowie beim Swiss Alpine Marathon in Davos aktiv. Den aber schafft er kaum, weil er Tage zuvor bei einem spielerischen Boxkampf mit Rene Weller einfach zu viele Schläge auf den schmalen Körper bekommen hat.

Bei all seinen Grenzläufereien ist Boning nach eigenem Bekunden von einem Mann besonders fasziniert, der einst als Jahrhunderttalent des deutschen Skisports galt, der aber schließlich des Dopings überführt wurde: der Skilangläufer Johann Mühlegg. Mit ihm rennt er an einem Tag kurz einmal - hopp, hopp - über die Höllentalklamm die Zugspitze rauf und wieder runter.

Mit Jürgen Drews fährt er auf Inline-Skates die Hafenpromenade des mallorquinischen Puerto de Andraitx entlang und will dort abends gesehen haben, wie plötzlich das Wasser im Hafen verschwand und die Boote im Sand lagen. Ein Erdbeben in Nordafrika habe für das abrupte Absinken des Wasserspiegels gesorgt, recherchierte Boning und schwört, diese Episode gehöre nicht in die Ein-Prozent-Kategorie von Münchhausen-Stories in seinen "Bekenntnissen".