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Wiederentdeckte Werke von Andy Warhol:"Bist du bereit, mich zu malen?"

The Andy Warhol Foundation for the Visuals Arts; The Andy Warhol Museum

Andy Warhols "Campbell's", 1985, in der Computerversion.

(Foto: dpa)

Eine ganze Serie von Andy Warhol ist wiederentdeckt und nun erstmals rekonstruiert worden. Der Fund wird allerdings weder seine Entdecker, noch Auktionshäuser reich machen, was an der Art der Arbeiten liegt.

Von Catrin Lorch

Dass Bilder verloren gehen, nur um Jahre später wieder aufzutauchen - ungesehen, taufrisch, millionenschwer -, ist einer der Lieblingsmythen der Kunst: Der Rembrandt hinter dem Sofa, der eingestaubte Picasso vom Speicher. Dass jetzt nicht nur ein paar Werke, sondern gleich eine ganze Serie von Andy Warhol entdeckt wurde, eigentlich das, was man in der Kunstgeschichte einen "Werkkomplex" nennt, ist sensationell.

Der Fund wird allerdings weder seine Entdecker, noch Auktionshäuser reich machen. Denn die Campbell-Suppendose und das grellbunte Selbstportrait lagerten schon bei der Warhol Foundation, unsichtbar - als Datensätze.

Dass der einflussreiche Pop-Künstler überhaupt je am Computer gearbeitet hat, ist bislang von der Szene kaum beachtet worden.

Die Wiederentdeckung der Werke ist dem Künstler Cory Arcangel zu verdanken, der im Jahr 2011 beim Warhol-Archiv in Pittsburgh anfragte, ob man die dort verwahrten, brandneu wirkenden Computer und dazu gehörenden Speichermedien nicht genauer untersuchen dürfe.

Gemeinsam mit dem Carnegie Mellon Computer Club restaurierte Arcangel mehr als vierzig alte Floppy Discs, auf denen bislang 13 Bild-Dateien auftauchten. Die Motive wurden jetzt vom Andy Warhol Museum veröffentlicht.

Ein psychedelisch schimmerndes Bild auf dem Rechner

Schon im Jahr 2006 hatte das Detroit Museum ein bis dahin unbekanntes Werk in den Tiefen der Floppy Discs entdeckt - die multimediale Oper "You are the One", für die der Künstler mehr als 20 Aufnahmen von Marilyn Monroe animiert hatte.

Die Technik hatte der Computerhersteller Amiga Mitte der Achtzigerjahre dem weltberühmten amerikanischen Künstler zur Verfügung gestellt, den man als Werbeträger verpflichtete, damit dieser das kreative Potenzial und die einfache Bedienung der neuen Geräte demonstrierte: Vor Publikum und Kamera verwandelte Warhol die Sängerin Debbie Harry live in ein psychedelisch schimmerndes Bild, die Aufzeichnung auf Youtube setzt mit ihrem scheuen Satz ein "Bist Du bereit mich zu malen", sekundenschnell manipuliert Warhols blasse Hand mit der Maus den Schnappschuss.

Das Resultat? Hat künstlerisch den Wert der Siebdrucke, die damals in der Factory wie am Fließband hergestellt wurden; dass ihre Konturen verwackelter aussehen, hebt sie immerhin - als eigenhändig - von dieser Massenproduktion ab.

Doch Andy Warhol wirkte nicht wirklich ungeübt. Amiga hatte sein Studio mit einem Gerätepark und Computerprogrammen ausgestattet, über die damals wohl keiner seiner Kollegen verfügte.

Allerdings hatte Amiga beim Vertragsabschluss nicht an die Zukunft gedacht und die Preisentwicklung auf dem Kunstmarkt: Weil die Computer und alle entstandenen Werke Warhol gehörten, wanderten sie nach seinem Tod im Jahr 1987 mit dem Nachlass ins Archiv.

© SZ vom 30.04.2014/pak

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