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"Whiskey Tango Foxtrot" mit Tina Fey im Kino:Die größte Gefahr lauert darin, sich aus Versehen selbst zu erschießen

"Whiskey Tango Foxtrot" mit Tina Fey

Keine Lust mehr auf New York: Kim Barker (Tina Fey) reist als Kriegsreporterin in den Irak.

(Foto: Frank Masi)

Tina Fey hat eine brillante Komödie über den Krieg drehen lassen. Als Reporterin Kim hat sie keine Ahnung vom Koran - und muss in der Wüste pinkeln, während ein Soldat nach allen Seiten sichert.

Filmkritik von Tobias Kniebe

Bei Kriegsreportern geht es immer um Leben und Tod und eigentlich sowieso um alles - nur fast nie um den Sinn der Berichterstattung selbst. Vielleicht ist das auch gut so. Denn die geheime Übereinkunft besagt ja doch, dass die Welt nicht wegschauen darf, wenn alles katastrophal aus dem Ruder läuft, sondern eingreifen muss - und dass solche Eingriffe schließlich irgendetwas zum Besseren verändern werden.

Was aber, wenn alle Tatsachen vor Ort dagegensprechen, wenn diese ganze Idee nur wieder eine groteske Selbstüberschätzung des Westens ist, wie so oft? Dann landet man schnell bei einem großen, allumfassenden Egalgefühl. In der speziellen Welt der Krisenberichterstatter hat es sogar ein eigenes Kürzel: "Whiskey Tango Foxtrot", ein militärischer Buchstabencode, der im Klartext "What the fuck" bedeutet und ziemlich genau das fassungslos staunende Grundgefühl dieses Films beschreibt.

Da wird man als Reporterin dann zum Beispiel bei amerikanischen Truppen "embedded", die in der staubigsten Provinz Afghanistans die Herzen der Bevölkerung gewinnen sollen. Alles ist Ritual, alles ist eine Show der Sicherheit und Überlegenheit, dreifach gepanzert, die Waffen immer im Anschlag. Nur dann erzählt einer der Soldaten vor der Kamera, dass er sein Sturmgewehr morgens gar nicht mehr lädt. Es passiere eh nichts hier, und die größte Gefahr lauere nun mal darin, sich aus Versehen selbst zu erschießen.

Hinter schwerem Brokatvorhang ein gewaltiges Lotterbett

Das ist ungefähr die erste Geschichte, die Fernsehreporterin Kim Barker (Tina Fey) nach Hause funkt, als sie irgendwann Mitte des letzten Jahrzehnts in Kabul stationiert wird. Afghanistan ist da schon ein fast vergessener Krieg, die eigentliche Geschichte spielt im Irak. Kim hat keine Ahnung von gar nichts, der Koran ist ihr ein Buch mit sieben Siegeln und der Ferne Osten genauso fremd wie der Nahe. Nur hält sie eben ihr Leben und ihre Beziehung in New York nicht mehr aus, wo es seit Jahren keinen Zentimeter vorangeht.

Ideale Voraussetzungen also, um zum Beispiel einen afghanischen Warlord zu interviewen? Aber sicher! Dessen Sohn wurde zwar gerade erst von den Amerikanern getötet, aber aktuell hat er vor allem einen Wunsch - dass diese Frau aus dem Westen sich ein wenig vor ihm fürchtet. Dem Manne kann geholfen werden. Beim mächtigen Minister für Tugend (Alfred Molina) wird es da schon schwieriger: Wenn er in seinem Büro einen schweren Brokatvorhang zur Seite schiebt, um in eindeutiger Absicht ein gewaltiges Lotterbett zu präsentieren, hilft fürs Erste ein schiefes Grinsen. Man könnte den Mann ja noch brauchen.

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