Wettbewerb:Phänomenal virtuos

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Wettbewerb: Atemberaubende Meisterschaft: der Kontrabassist Renaud Garcia-Fons aus Frankreich

Atemberaubende Meisterschaft: der Kontrabassist Renaud Garcia-Fons aus Frankreich

(Foto: Ralf Dombrowski)

Der Franzose Renaud Garcia-Fons gewinnt mit seinem Trio den 9. BMW Welt Jazz Award

Von Ralf Dombrowski

Am Ende hat es wohl so kommen müssen. Wenn ein Wettbewerb sich das Motto "Bass erstaunt" gibt und einen Musiker ins Rennen gehen lässt, dessen spieltechnische Fähigkeiten so weit jenseits der üblichen Kompetenzen liegen wie im Fall von Renaud Garcia-Fons, dann bleibt nicht viel Ermessensspielraum für eine Jury; es sei denn, sie würde sich auf Grundsatzdiskussionen über Komposition, Gruppensound, Flow, vielleicht auch über sich vermittelnde Stimmung innerhalb eines Ensembles einlassen. So aber steht das Ergebnis: Der 9. BMW Welt Jazz Award geht an den Gast aus Frankreich, der das Konzert am Abend des Finales gleich mit einer in ihrer Geläufigkeit und betörenden Präzision kaum noch nachvollziehbaren Soloimprovisation beginnt, um klar zu machen, wo der Hammer hängt.

Überhaupt hat er sein Trio mit dem Akkordeonisten David Venitucci und dem Schlagzeuger und Vibraphonisten Stephan Caracci gut im Griff, muss kaum noch Zeichen geben, überhaupt kaum auffallend mit den anderen kommunizieren, um den reibungslosen Ablauf seines thematisch der Stadt Paris gewidmeten Programms zu gewährleisten. Dieses Team ist ein Musterbeispiel für kollektive Disziplin und Klangkontrolle, wirkungsvoll zugeschnitten auf die Meisterschaft von Garcia-Fons, der gezupft, geschlagen wie gestrichen sein fünfsaitiges Instrument gleichermaßen atemberaubend beherrscht.

Zwar bekommen Venitucci und Caracci auch ihre solistischen Passagen, doch wirken ihre Ausflüge in die gestalterische Individualität wie Farben zur Illustration des Ganzen. Der Meister beherrscht sein Universum, hinterlässt viel Erstaunen in den Gesichtern der Hörer, doch die Sympathien des Publikums sammelt er nicht vorbehaltlos ein. Denn die zweite Finalistin verkörperte gerade das entgegengesetzte Prinzip. Auch Eva Kruse hat im Kern wunderbare, melodiöse, wohlklingende Kompositionen im Angebot, nur ist ihr Konzept von Offenheit geprägt.

Das beginnt schon bei der Besetzung. Zwei Plätze im Ensembles sind im Vergleich zum Wettbewerb mit anderen Musiker besetzt. Am Schlagzeug sitzt für Erik Schaefer, der für den Termin vertraglich unabkömmlich an anderer Stelle gebunden war, Eva Klesse am Set, die mit einer Mischung aus Dynamik und lächelndem Feinsinn die Rhythmen ebenso formt wie gleichzeitig kommentiert. Den Platz an der Oboe übernimmt Marie-Christine Becker für Tjadina Wake-Walker, die wenige Tage zuvor Mutter geworden ist. Konstanten sind der Pianist Christian Jormin, der Saxofonist Uwe Steinmetz und Kruse, die sich rund um das Programm "On The Mo" mit einer in sich sehr stimmigen, sensibel mit Stimmungen und Klangenergien arbeitenden Musik beschäftigen. Es ist ein Kurzkonzert, das weniger Wert auf die Demonstration des Machbaren legt, als vielmehr auf die Gemeinsamkeit, das sich gegenseitige Inspirieren und den Spaß am Spielen von Stücken.

Mit einem anderen Motto hätte auch sie die Siegerin sein können. Doch "Bass erstaunt" legte den Schwerpunkt auf das Instrument, und da war letztlich die Entscheidung klar. Übriges auch für die Hörer der Matinee-Konzerte, denn Renaud Garcia-Fons bekam neben dem BMW Welt Jazz Award 2017 auch den Publikumspreis zugesprochen, darf also nicht nur das Preisgeld von 10 000 Euro mit nach Hause nehmen, sondern bei nächster Gelegenheit in Schloss Elmau ein paar Tage auch die Vorzüge des solventen Lebens genießen.

So oder so aber war der Abend ein Erfolg, denn er begeisterte nicht nur die Sponsoren und Unterstützer des Awards, sondern ließ auch Nicolas Peter für den BMW Group-Vorstand beeindruckt verkünden, dass die Veranstaltungsreihe im kommenden Jahr zum Zehnjährigen fortgesetzt wird, diesmal unter dem Titel "Jazz moves". Da wiederum geht viel, vom Techno-Crossover bis hin zum Fusion Funk. Es bleibt spannend.

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