Westernhagens Impfbild:Er ist so frei

Lesezeit: 1 min

Westernhagens Impfbild: Mustergültige Werbung für Solidarität: Westernhagens Impfbild.

Mustergültige Werbung für Solidarität: Westernhagens Impfbild.

(Foto: instagram.com/mmwesternhagen)

Nachdem Impfgegner Westernhagens Song "Freiheit" auf ihren Demos spielten, reagierte jetzt der Künstler selbst - mit einem Impfbild.

Von Joachim Hentschel

Es ist in den letzten anderthalb Jahren zu einem neuen Kommunikationsstandard geworden: das Celebrity-Impfbild. Prominente wie Dolly Parton, Arnold Schwarzenegger oder Kate und William haben über soziale Medien und Agenturen Fotos geteilt, auf denen sie gerade die Spritze bekommen oder das Heftpflästerchen vorzeigen. Meistens geht es dabei ums persönliche, ungefragte Bekenntnis zu Medizin und Verantwortung - aber dieser aktuelle Fall wiegt schwerer. Am Freitag hat der Musiker Marius Müller-Westernhagen auf Instagram sein Impfbild veröffentlicht. Und es hat eine weiterreichende Bedeutung.

Dass es bei Westernhagen nicht ums Situative geht, sieht man auf den ersten Blick: Die Szenerie ist stilisiert, es ist eher ein Kampagnenbild, ein Statement. Er hat nur ein einziges Wort daruntergeschrieben: "Freiheit". Trotzdem greift er damit einen komplexen Diskurs auf und setzt in ihm den letzten Punkt.

Für viele der Demonstranten ist die Hymne damit nun endgültig verbrannt

Denn "Freiheit", Westernhagens berühmter Song von 1987, hatte sich zuletzt unfreiwillig zu einer Hymne der Impfgegner und Corona-Politik-Kritiker entwickelt. Schon seit Anfang 2021 wurde das Lied immer wieder auf vielen Demos gesungen, feierlich und unter Ausnutzung seines kämpferischen Untertons. Der Künstler selbst reagierte nicht darauf, weder mit (ohnehin wohl aussichtslosen) Klagen noch mit einer Stellungnahme. Auch auf Anfragen der SZ äußerte er sich nicht.

Man habe dem Thema nicht noch mehr Aufmerksamkeit verschaffen und die Kunst lieber für sich selbst sprechen lassen wollen, teilt das Management nun mit. Mit dem Instagrambild hat Westernhagen nun allerdings selbst ein kleines politisches Kunstwerk geschaffen: eine komplett nichtautoritäre Werbung für Solidarität, eine sanfte Deutung des eigenen Songs, ohne ihn dabei zu vereindeutigen.

Für viele der Demonstranten ist die Hymne damit nun endgültig verbrannt, das lässt sich aus mehreren der rund 5000 Kommentare herauslesen, die sich bis Sonntag unter dem Foto gesammelt hatten. Die Agenturen, die die letzten Kampagnen der Bundesregierung gestaltet haben, sollten den Fall mal studieren.

Zur SZ-Startseite

Debatte um Joe-Rogan-Podcast
:Bis es weg ist

Nach Neil Young will auch Joni Mitchell ihre Musik von Spotify löschen. Könnte für den Streaming-Dienst langsam gefährlich werden.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB