Kinderfilm von Robert Rodriguez:Kurz die Welt retten

We Can Be Heroes

Taylor Dooley als Lavagirl im Netflix-Film "We Can Be Heroes".

(Foto: Netflix)

Im Netflix-Film "We Can Be Heroes" von Robert Rodriguez sind Kinder die wahren Superhelden.

Von Martina Knoben

"Kinder an die Macht", das war eine Pop-Fantasie von Herbert Grönemeyer aus dem Jahr 1986. Wer sich aus eigener Kraft daran erinnert, weder Song noch Sänger googeln muss, ist für den Film von Robert Rodriguez definitiv zu alt. "We Can Be Heroes" ist ein superbunter, superpositiver Superheldenfilm, in dem die Weltenretter nicht älter als fünfzehn sind, die Farbe Lila dominiert und am Ende ebenjene Botschaft steht, wonach die Kinder bitte das Ruder übernehmen und es besser machen sollen als ihre Eltern.

Das passt gut in eine Zeit, in der jugendliche Aktivisten wie Greta Thunberg den Älteren ins Gewissen reden, und ist vom Autor und Regisseur Robert Rodriguez vermutlich völlig ernst gemeint. Der ist schließlich nicht nur für blutige Genrefilme wie "El Mariachi" (1992), "From Dusk Till Dawn" (1996) oder "Sin City" (2005) bekannt, die sich ihre Altersfreigabe ab 18 redlich verdient haben, sondern auch für Kinderfilme wie die drei "Spy Kids"-Spektakel oder "Die Abenteuer von Sharkboy und Lavagirl in 3-D" (2005).

"We Can Be Heroes" lässt sich als Fortsetzung des Sharkboy-und-Lavagirl-Films verstehen; beide Figuren spielen, mittlerweile erwachsen geworden, als Teil einer an die "Avengers" erinnernden Superheldentruppe mit. Um diese sogenannten "Heroics" geht es im Film dann aber eher nicht. Als ein Schwarm lila Raumschiffe die Erde angreift, werden alle erwachsenen Superhelden von den Aliens ruckzuck kassiert. Was auch daran liegt, dass sich die Helden nie einig sind, jeder nur seine eigene Show durchziehen will. Per Fernsehübertragung müssen die Kinder der "Heroics" zusehen, wie ihre Eltern überwältigt und von den Außerirdischen gefangen genommen werden. Nun hängt alles an ihnen, die wie ihre Eltern Superkräfte haben: Nur sie können die Welt vor den Aliens retten!

Superheld Noodles kann sich spaghettiförmig durch die Welt bewegen

Rodriguez' Comicfantasie ist ein garantiert nicht zucker- und zusatzstofffreier Spaß für Grundschulkinder, bunt und knallig, ein Comic in Bewegtbildern. Dass die Story eher simpel ist und die Spezialeffekte selbstgebastelt wirken, stört dabei kaum. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass sich Rodriguez hemmungslos (und auch etwas willkürlich) im popkulturellen Fundus bedient.

Die Superkräfte der Kinder sind einfach zu lustig. Rodriguez und seine jungen Darsteller haben viel Spaß dabei, sie vorzuführen: Noodles kann seine Arme oder auch den Hals in die Länge ziehen wie Spaghetti; A Capella kann mit ihrer Singstimme Gegenstände zum Fliegen bringen; Wheels ist hochintelligent; die Zwillinge Fast Forward und Rewind können die Zeit vor- und zurückdrehen; Wild Card hat alle denkbaren Superkräfte, kann sie aber nicht kontrollieren; nur Missy Moreno (YaYa Gosselin) ist "superkräftelos", dafür eine geborene Anführerin. Star der Truppe ist schließlich ihr jüngstes Mitglied, die sechsjährige Guppy, zuckersüße Tochter von Sharkboy und Lavagirl, die, in Wut geraten, zum Tier wird und im "Hai-Rausch" mit "Hai-Kraft" ausgewachsene Männer mühelos aufs Kreuz legt.

Die Gruppe ist betont divers zusammengestellt, auch ein Junge im Rollstuhl ist dabei, von dem es heißt, dass seine Muskeln so stark seien, dass seine Knochen brechen würden, wenn er versuchte zu gehen. So unverkrampft gut gelaunt und positiv ist der ganze Film. Wie die Kinder ihre unterschiedlichen Kräfte schließlich bündeln, im Gegensatz zu ihren Eltern zusammenarbeiten, um die Aliens zu besiegen, ist überzeugend choreografiert. Echte Superhelden sind eben Teamplayer.

We Can Be Heroes, USA 2020. Regie, Buch, Kamera, Schnitt: Robert Rodriguez. Mit: Pedro Pascal, Priyanka Chopra, Yaya Gosselin, Lyon Daniels, Vivien Blair, Taylor Dooley. Netflix, 100 Minuten.

© SZ/dbs
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