Was ist eigentlich eine Moschee?:Ein Ort des Aufatmens

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Der Bau von Moscheen führt in Deutschland immer wieder zu Streitigkeiten. In Köln diskutiert die CDU heftig über die geplante Großmoschee. Aber was ist und zu welchen Zwecken dient eigentlich eine Moschee? Eine Klärung aus gegebenem Anlass.

Gudrun Krämer

Alles ist heute umstritten, was mit Islam zu tun hat, fast alles wird mit Misstrauen betrachtet, und zu den Reizthemen zählt neben den Klassikern Freiheit, Frau und Gewalt mittlerweile auch der Moscheebau. Geht es darum, Aufmerksamkeit für islamische Themen zu wecken, so werden in der Regel zwei Bilder benutzt - schwarz verschleierte Frauen oder Moscheen mit spitz aufragendem Minarett. Beide wirken beunruhigend.

Moschee dpa

Die größte westeuropäische Moschee wurde 2003 in London erbaut.

(Foto: Foto: dpa)

Von der Wortbedeutung her ist die Moschee ein Ort, nicht ein Bau - der Ort, an dem die Gläubigen sich zum Gebet niederwerfen, eine Gebetsstätte also. Ihre Form und Funktion regeln weder der Koran noch die Sunna, die Sammlung der Aussprüche und Handlungen des Propheten Muhammad, festgehalten in einzelnen "Berichten", Hadithen. Sie sprechen allerdings von Form und Zweck des Gebets, von Reinheit und Unreinheit, vom Verhältnis von Mann und Frau, Muslimen und Nichtmuslimen, die für die Gestaltung der Gebetsstätte von Bedeutung sind und waren.

Die Anfänge - und in der islamischen Tradition spielt der Bezug auf die Anfänge eine im Wortsinn fundamentale Rolle - kennen wir nicht allzu gut: Klar ist nur, dass von Beginn an das Gebet und die Versammlung der Gläubigen im Mittelpunkt standen, der Gebetsplatz aber auch für eine Vielzahl anderer Geschäfte von Verwaltung über Diplomatie bis Handel genutzt wurde.

Fünfmal am Tag betet der Muslim zu festgelegten Zeiten in festgelegter Form einzeln oder in der Gemeinschaft. Das Pflichtgebet (salat) ist nicht persönliche Zwiesprache mit Gott, sondern im unmittelbaren Sinn Gottesdienst, in dem der Gläubige sich physisch Gott zuwendet. Einen Sonderstatus besitzt das Mittagsgebet am Freitag: Es soll grundsätzlich in der Gemeinschaft stattfinden und ist verbunden mit einer Predigt, die neben religiösen Themen häufig auch gesellschaftliche und politische Fragen berührt.

Zur Zeit Muhammads, das heißt im ersten Drittel des 7. Jahrhunderts christlicher Zeitrechnung, verrichteten die Muslime das Gebet an jedem Ort, der ihnen geeignet schien. Nach ihrer Übersiedlung (Hijra) von Mekka nach Medina im Jahr 622 n.Chr. diente ein großer ummauerter Hof als zentraler Gebets- und Versammlungsort, in dem auch die Hütten Muhammads und seiner Frauen standen. Für die Freitagspredigt und andere Ansprachen benutzte er wohl bereits eine kleine Kanzel (minbar).

Die Gebetsrichtung wies in Mekka noch auf Jerusalem, kurz nach der Hijra wurde sie auf die Kaaba umgepolt; auf sie sind noch heute alle Moscheen ausgerichtet. Der Gebetsruf erschallte von einem erhöhten Ort; Minarette kannte die frühe Gemeinde noch nicht.

Keine figürlichen Darstellungen

Im Gefolge der Eroberungen des 7. und 8. Jahrhunderts bildeten sich nicht nur die islamischen Lehren heraus; es entstanden an unterschiedlichen Orten auch die ersten eigenständigen Moscheebauten. Freitagsmoscheen (jami) wurden in der Regel vom Herrscher errichtet, wobei sich die Bestimmung, dass es pro Stadt nur eine Freitagsmoschee geben solle, die alle Muslime zumindest einmal in der Woche an einem Ort zusammenführte, in den großen Städten nicht durchhalten ließ. Auf dem flachen Land, wo die Mehrheit der Bevölkerung lebte, sollte es gar keine Freitagsmoscheen geben - sie sollten am Freitag in die nächst gelegene Stadt kommen; auch dies war auf die Dauer nicht durchzusetzen.

Die Form der Moschee folgt im wesentlichen der Funktion: Den Kern der Freitagsmoschee bildet der Gebetsraum, häufig eine überdachte Säulenhalle, der meist mit einem Hof verbunden ist, der mit Bäumen bepflanzt und von Arkadengängen umgeben wird. Der Boden des Gebetsraums ist mit Matten oder Teppichen ausgelegt. Die Gebetsrichtung nach Mekka (qibla) ist durch eine Nische (mihrab) markiert, die je nach religiöser Präferenz entweder reich geschmückt oder bewusst schmucklos gehalten ist.

Im islamischen Spanien wurde sie als eigener kleiner Raum gebaut und aufwendig verziert, in puritanisch-strengen Gemeinden besteht sie allein aus einer weißen Wand. Auf jeden Fall aber enthält die Moschee keine figürlichen Darstellungen, gleichgültig ob Mosaik, Malerei, Schnitzerei oder Plastik, sondern allenfalls ornamentales Dekor, namentlich Schriftbänder mit Korantexten, wie man sie aus dem Felsendom in Jerusalem kennt - der allerdings gerade keine Moschee ist, sondern ein Memorialbau.

In der Regel steht rechts neben der Gebetsnische die Kanzel des Predigers. Viele Moscheen weisen dazu eine Plattform (dakka) auf, von der aus der Muezzin die bereits in der Moschee Versammelten zum Gebet ruft. Das Gebet muss im Zustand ritueller Reinheit stattfinden, weshalb Waschanlagen zur Ausstattung jeder Moschee gehören. Im Hof befindet sich meist ein Brunnen oder Wasserbehälter mit Trinkwasser.

Zur Ausstattung einer Moschee gehören zudem Koranexemplare, nicht selten eine kleine Bibliothek. Das Minarett, das heute so sehr mit der Moschee identifiziert ist, zählt nicht zu ihren unverzichtbaren Elementen: Die ersten Minarette wurden erst nach Muhammads Tod errichtet, als das Kalifat seinen Sitz in Syrien genommen hatte - ein weitgehend christliches Land mit zahlreichen Kirchen und Kirchtürmen, von deren Spitze die Gläubigen zum Gebet gerufen wurden.

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