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Warren Beatty und Lily Collins:"Einen Verführer würde ich ihn wirklich nicht nennen"

Der historische Howard Hughes war zwar nicht so ein genialer Verführer wie Warren Beatty, aber ihm werden immerhin Affären mit Bette Davis, Ava Gardner, Olivia de Havilland, Katharine Hepburn, Ginger Rogers und Rita Hayworth nachgesagt. Hat Beatty diesen Part also als großen, alten Verführer angelegt? Da heben sich überrascht seine Augenbrauen, und er wählt seine Worte vorsichtig: "Ich würde sagen, der Mann macht eher Schwierigkeiten. Einen Verführer würde ich ihn wirklich nicht nennen. Eher einen Ausbeuter."

Tatsächlich stellt die Apfelblütenkönigin im Film bald fest, dass Hughes neben ihr noch ungefähr 25 andere junge Schönheiten unter Vertrag hat, die er als Schauspielerinnen gar nicht recht braucht, vielleicht aber als Geliebte. So genau weiß man das nicht, tausend Geheimnisse umgeben den paranoiden Milliardär, und lange Zeit taucht er nicht mal auf. Dafür verliebt sich die Apfelblütenkönigin in ihren pflichtbewussten Fahrer, gespielt von Alden Ehrenreich, der aber ebenfalls sehr christlich und außerdem verlobt ist. So beginnen große Gefühlsqualen.

Ein privater Vorführraum im Hollywood der Fünfzigerjahre, auf die Projektionsfläche schauend: der legendäre Studioboss Howard Hughes (Warren Beatty).

(Foto: Fox)

"Im Grunde geht es weniger um Hughes als um dieses Paar", sagt Beatty, der die Idee irgendwann in den Siebzigerjahren hatte, Jahrzehnte am Drehbuch bastelte und den Stoff dann letztes Jahr endlich produziert und inszeniert hat. Es ist erst die fünfte Spielfilmregie dieses legendären Kontrollfreaks mit dem großen Gespür für Stoffe und Geschäfte. Im Grunde musste er schon nach der Gangster-Ballade "Bonnie and Clyde" von 1967, seinem ersten Streich als Star und Jungproduzent, für Geld nicht mehr arbeiten. "Vor allem geht es mir darum, wie die Tradition des amerikanischen Puritanismus dem Glück dieses Paars im Wege steht", sagt er.

Dialog aus dem Film:

Er: "Du erinnerst dich doch an 1962?"

Sie: "Als ob es gestern wäre."

Dazu erwähnt er dann auch, dass er selbst aus hochpuritanischem, baptistischem Elternhaus in Virginia stammt, mit "starken Elementen der Frustration" - hier ein amüsiertes Glucksen - in seiner Jugend. War seine viel besungene Zeit als Sexgott in Hollywood, mit kurz- oder längerfristigen Eroberungen wie Isabelle Adjani, Brigitte Bardot, Leslie Caron, Cher, Julie Christie, Joan Collins, Britt Eklund, Goldie Hawn, Diane Keaton, Elle Macpherson, Madonna, Michelle Phillips, Vanessa Redgrave, Diana Ross, Barbra Streisand, und Liv Ullmann, um nur die wichtigsten zu nennen - also eine reine Gegenreaktion?

"Es sind viel zu viele Legenden über mich im Umlauf", sagt er da und seufzt ironisch. "Es gibt mittlerweile vielleicht sechzehn Büchern über mich, und manchmal versuche ich sogar, eines davon zu lesen. Aber nach zehn, fünfzehn Seiten muss ich immer aufhören. Es steht so viel Unsinn drin, da wäre es ein Akt des reinen Masochismus, mir das anzutun. Ich muss das mit Humor nehmen."

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Also gut, dann jetzt die Gegenfrage an Lily Collins. Eine unerwartete Wendung des Films tritt ein, als die junge Marla und der verrückte Howard Hughes sich endlich besser kennenlernen. Marla fühlt sich da bereits als Ehebrecherin, obwohl sie ihren Chauffeur nur mal geküsst hat. Zum ersten Mal in ihrem Leben greift sie zum Alkohol - und auf einmal ist sie es, die beschließt, dem verrückten alten Milliardär zu Leibe zu rücken. Ist sie also die Verführerin des Films?

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