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Wacken-Open-Air:Besingen von Tod und Teufel, bis die Kasse stimmt

Wacken Open Air 2014

Ian Kilmister, 69. Die SPD hält schon Jüngere für nicht mehr arbeitsfähig.

(Foto: Axel Heimken/dpa)

Jetzt aber wird er zunehmend auch als reale Herausforderung greifbar: Die Zeitlichkeit hat Einzug gehalten in die Welt des Heavy Metal, wo Fortschritt sonst eigentlich eher keine Kategorie ist, bisher auch nicht der des Alters.

Aber nun konnte das Wacken Open Air an diesem Wochenende selber schon seinen 25. Geburtstag feiern, und Tom Araya, der Sänger der Gruppe Slayer, der selbst mit seinem weißen Wallebart inzwischen ausschaut wie ein Prophet des Alten Testaments, gratulierte fast ein wenig ergriffen.

1990, als das Festival ins Leben gerufen wurde, war Jeff Hannemann, der wichtigste Komponist der Gruppe, selber 25 Jahre alt, die entscheidende Phase seines Schaffens lag da bereits hinter ihm, und heute ist er schon nicht mehr unter uns: Vor zwei Jahren gestorben an einer Krankheit, die er sich selber ausgedacht haben könnte, als stimmungsvollen Songtitel: Necrotizing fasciitis.

Mit welcher Eisigkeit die verbliebenen Kollegen daraufhin mit einem Ersatzmann wieder zum Tagesgeschäft zurückkehrten, dem Herunterknüppeln des musikalischen Bestandes, das wurde selbst in ihrem fanatischen Anhang etwas pikiert zur Kenntnis genommen.

Die Zeitschrift Metal Hammer forderte mehr oder weniger sogar die Auflösung von Slayer, was etwas heißen will bei einem Magazin von ansonsten komplett panegyrischen Haltungen. Aber vielleicht ist Pietät nichts, was man ausgerechnet von Leuten erwarten sollte, die ihr Geld damit verdienen, Tod und Teufel zu besingen, und zwar nicht einmal wegen des Todes oder des Teufels, sondern wegen der Notwendigkeit, die beiden so oft und vor so vielen Leuten zu besingen, dass die Kasse stimmt.

Nachfrage größer als das Angebot

Metal ist ja - das lässt sich selbst bei konsequentester Weltflucht in Märchenreiche, wo nur Drachen und Streitäxte noch eine Rolle spielen, nicht ganz ausblenden - immer auch ein Business.

Das Organisieren von Open-Air-Festivals ist auf der anderen Seite gleichfalls ein Geschäft, das Marktbedingungen unterliegt, und auf diesem Markt ist das Angebot an sogenannten Headlinern augenscheinlich geringer als die Nachfrage.

Auch zum 25. Geburtstag sind daher weder Metallica noch AC/DC, die gemessen an ihrer Reichweite größten Bands des Genres, auf dem inzwischen größten Metal-Festival der Welt zu sehen, inzwischen fast die einzigen, die noch nicht da waren.

Stattdessen unter vielen anderen aber Megadeth, Kreator, Saxon, Accept und eben Slayer sowie Motörhead, auf Festivalplakaten eher die klassische zweite Reihe (was nichts über die Qualität sagt, nur über die kommerzielle Größenordnung). Der eigentliche Headliner, so hört man als offizielle Sprachregelung, sei das Festival inzwischen selber: Wacken Open Air als Gesamtereignis. Das klingt selbstbewusst, aber dazu besteht auch Grund.

Mythischer Bombast mit viel Rummsbumms

Bayreuth hat in diesem Jahr ja auch keine neue Inszenierung und ist trotzdem ausverkauft. Der Vergleich der Wagner- mit den Metal-Festspielen hat sich nicht nur wegen der Terminkongruenz eingebürgert. Es sind die beiden deutschen Musikereignisse mit der größten internationalen Ausstrahlung, ein Grund, im Hochsommer dieses Land zu besuchen.

Auch ist oft zu hören, dass in beiden Fällen mit viel Rummsbumms mythischer Bombast behandelt würde, worin sich in der Regel eine gewisse Skepsis gegenüber Gesamtkunstwerkszusammenhängen ausdrückt, in deren Innerem es völlig wurscht ist, was draußen darüber gedacht und gehöhnt wird, weil die sich ihre Kriterien selber geben.