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Władysław Szpilman:Was übrig bleibt

In Warschau wurde der Nachlass des berühmten polnischen Pianisten Władysław Szpilman versteigert, darunter der Flügel, auf dem er viele seiner Werke komponiert hatte.

Von Florian Hassel

Es war eine spektakuläre Versteigerung des Warschauer Auktionshauses Desa Unicum. Unter den Hammer kamen am Dienstagabend 51 Gegenstände aus dem Nachlass von Władysław Szpilman - der polnisch-jüdische Komponist und Pianist, der mit seinen Kriegsmemoiren "Das wunderbare Überleben" und 2002 mit der Verfilmung des Buchs durch Roman Polanski als "Der Pianist" in der oscarausgezeichneten Darstellung von Adrien Brody weltbekannt wurde. Die Episode, als Szpilman am 23. September 1939 noch unter deutschen Bomben das letzte Live-Konzert im polnischen Radio gab, wurde zum Symbol heroischen polnischen Widerstandes gegen die Deutschen - und eine ikonenhafte Szene der Filmgeschichte

Wladyslaw Szpilman (the hero of Roman Poolanski s film The Pianist) memorabilia are to be auctioned in Warsaw Wladyslaw

Wechselte für umgerechnet 289000 Euro den Besitzer: Der Flügel von Władysław Szpilman.

(Foto: imago images/Eastnews)

Nach dem Krieg ging das Leben für Szpilman als einzigen aus seiner Familie weiter: Seine Eltern Samuel und Edwarda, sein Bruder Henryk und die Schwestern Regina und Halina waren im Konzentrationslager Treblinka vergast worden. Szpilman, ein Rundum-Musiker als Pianist, Kammermusiker und Komponist, leitete bis 1963 die Abteilung für populäre Musik des polnischen Rundfunks und wurde danach mit dem Warschauer Klavierquintett bekannt. Er komponierte Symphonien, Kammermusik, Filmmusiken und mehr als 500 Schlager, viele davon an seinem Steinway-Flügel.

Der Pianist, Komponist und Holocaust-Überlebende Władysław Szpilman.

(Foto: imago stock&people)

Der Flügel aus Mahagoni, ein Instrument von 1940, das polnische Musiker nach dem Krieg im Auftrag der polnischen Regierung in Breslau beschlagnahmten und nach Warschau brachten, stand nach dem Tod Szpilmans im Jahr 2000 noch zwei Jahrzehnte im Wohnzimmer seiner Frau. Halina Szpilman starb im vergangenen Frühjahr. Die Söhne Andrzej und Krzysztof ließen den Flügel (Typ M-170cm) und 50 weitere Gegenstände aus dem Nachlass nun versteigern, darunter auch eine silberne Omega-Taschenuhr von 1934 und ein Montblanc-Füller, die Szpilman als einzige Gegenstände durch den Krieg, das Warschauer Ghetto und die Nachkriegszeit in den Ruinen Warschaus gerettet hatte. Das ebenfalls versteigerte Manuskript von Szpilmans Klaviersuite "Das Leben der Maschinen" von 1934 überlebte nur, weil es ins Ausland geschickt worden war.

Die Ergebnisse der Auktion übertrafen die Erwartungen: Szpilmans Steinway kam für 1,3 Millionen Zloty (289000 Euro) unter den Hammer, seine Omega-Uhr für gut 55000 Euro. Auch der Montblanc-Füller fand mit fast 20000 Euro einen zahlungskräftigen Käufer. Unbekannt blieb zunächst, ob eines der großen Museen - etwa das Danziger Museum des 2. Weltkrieges oder das Warschauer Museum für die Geschichte der polnischen Juden (Polin) - unter den Käufern war. Bisher ist eine im Polin-Museum gezeigte Krawatte Szpilmans aus seiner Zeit im Warschauer Ghetto das einzige Artefakt, das an den großen Musiker erinnert. Szpilmans Söhne erklärten, sie wollten mit dem Auktionserlös - insgesamt über 555000 Euro - mehr für das Andenken an ihren Vater tun. Details sind noch nicht bekannt.

© SZ vom 24.09.2020

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