Vorwürfe gegen Quentin Tarantino Die Tendenz, die eigenen Obsessionen über das Wohl der Mitarbeiter zu stellen, ist keine Ausnahme

Zumindest, was die Herausgabe des Filmmaterials betrifft, ist Thurman ihrem Regisseur mittlerweile zur Seite gesprungen. In einem Instagram-Post erklärte sie am Montag, sie mache für die Art und Weise, wie nach dem Unfall mit ihr umgegangen worden sei, nicht ihn, sondern allein die Produzenten um Harvey Weinstein verantwortlich. Auch das Spucken und Würgen wirft sie ihm nicht persönlich vor, das berichteten in der New York Times nur andere Crew-Mitglieder.

Trotzdem scheint die Tendenz, die eigenen Interessen und Obsessionen über das Wohl der Mitarbeiter zu stellen, im Tarantino-Weinstein-Kosmos keine Ausnahme gewesen zu sein. Das zeigt eine Geschichte über den Filmemacher und Tarantino-Kumpel Robert Rodriguez, geschildert von der Schauspielerin Rose McGowan.

Auf Twitter brachte sie vor ein paar Monaten Harvey Weinsteins Entmachtung ins Rollen. Nun berichtet sie in ihrem vor wenigen Tagen erschienenen Enthüllungsbuch "Brave" neue Details aus ihren Erfahrungen mit den Regisseuren. Im Jahr 2007 stand sie für "Grindhouse" vor der Kamera, ein Double-Feature von Tarantino und Rodriguez, ihrem damaligen Lebensgefährten. Ihre Figur Cherry ist einbeinig, und statt einer Prothese trägt sie ein an ihren rechten Beinstumpf montiertes Maschinengewehr, dazu am anderen Bein einen Stiefel mit Zehn-Zentimeter-Absatz.

Zur Komplettierung der absurden Männerfantasie sollte sie in dieser Montur an einem Drehtag eine "Backbend-Brücke" über eine andere Schauspielerin hinweg machen. Nach McGowans Aussage trieb Rodriguez sie an, ihren Rücken trotz der Beinprothese immer stärker zu krümmen. "Höher, höher", verlangte er - bis McGowan in ihrem Arm ein Reißen spürte, gefolgt von einem stechenden Schmerz. Die spätere Diagnose ergab einen schweren Nervenschaden und eine teilweise Lähmung ihres Arms, aber zunächst wurde der Dreh nicht einmal unterbrochen. Zudem habe sich Rodriguez später geweigert, die medizinischen Kosten seiner Filmversicherung aufzubürden - McGowan sagt, sie musste alles aus eigener Tasche bezahlen.

Nach dem Unfall am Set habe sie die Arztkosten selbst bezahlen müssen, sagt Rose McGowan

Glaubt man diese und weitere Geschichten in "Brave", wie Rodriguez und Tarantino sich am Set aufgeführt hätten, handelte es sich wirklich um einen "Planet Terror" - so der Episodentitel aus "Grindhouse". Als Liebhaber war Rodriguez laut McGowan rasend eifersüchtig. Einmal schleppte er einen Lügendetektor in ihren Trailer, um sie zu verhören. Er hatte den Verdacht, sie hätte sich in Tarantino verliebt. Dieser wiederum erzählte ihr, er habe eine ihrer Szenen aus dem Film "Jawbreaker", in der ihre nackten Füße zu sehen sind, "unzählige Male benutzt".

"Lassen Sie mich das in Klartext übersetzen", schreibt McGowan sarkastisch. "Tarantino hat einen bekannten Fußfetisch, nackte Füße erregen ihn. Das heißt also, dass er beim Anblick meiner nackten jungen Füße masturbierte und mir davon lauthals erzählte, immer wieder, vor vielen anderen - als sollte ich kleines, lustiges Ding dankbar sein, dass er mir seinen vergoldeten Samen gespendet hatte, so viel wertvoller als jeder andere Samen auf der Welt."

Bislang haben sich Tarantino und Rodriguez mit Entschuldigungslitaneien ganz gut als Täter aus der "Me Too"-Debatte heraushalten können. Ob das nach den neuen Vorwürfen so bleibt - und ob die neue Diskussion über Arbeitsbedingungen an Filmsets wirklich etwas bewirkt - bleibt abzuwarten.

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