Vorschlag-Hammer Zeit für Helden

Plötzlich suchen viele wieder den Einen, den Retter. Würden sie das im Kinosaal tun und nicht in der Wahlkabine, wäre alles halb so schlimm

Von Susanne Hermanski

Wie konnte das bloß passieren? Plötzlich suchen so viele wieder den Einen, den Retter, den Helden, der ihnen die Welt auf die einfache Art erklärt. Halb so schlimm wäre es, würden sie dies nicht an der komplett falschen Stelle tun: in den finstersten Ecken - der Wahlkabinen. Vor ein paar Jahren noch, gingen sie dazu in die dunklen Säle der Kinos, und dies war weitaus eher sozialverträglich. Gut, derzeit läuft kein aktuelles Opus mit Arnold Schwarzenegger, der die Menschheit vorm Weltuntergang bewahren würde, doch das aktuelle Angebot ist auch wunderbar: Als Tochter eines Vaters, der Starfighter-Pilot war, den Job überlebte und danach als Kapitän fröhliche Touristen in friedlicher Mission ums Erdenrund flog, muss ich folgenden Film empfehlen: Sully.

Für alle Lehrer-, Schreiner-, Banker-Töchter und -Söhne, die den Fall nicht mehr derart präsent haben: Captain Chesley "Sully" Sullenberger war jener Mann, dem die Welt das "Wunder auf dem Hudson" verdankt. Am 15. Januar 2009 notwasserte er sein defektes Flugzeug im Gleitflug auf dem Hudson River, mitten in New York, und rettete so allen 155 Menschen an Bord das Leben. Clint Eastwood, selbst Held, hat den Stoff verfilmt, mit Tom Hanks in der Titelrolle, und nicht etwa als Action-Knaller, sondern aus der Perspektive eines Mannes, der sich nach seiner Meisterleistung einer gerichtlichen Untersuchung des Falls stellen muss, die beinahe sein (Berufs-)Leben ruiniert hätte.

Auch an Heldinnen ist dieses Wochenende reich, man muss nur die Augen aufmachen: Der ersten Nobelpreisträgerin Marie Curie hat Marie Noëlle einen Film gewidmet, der sie sehr elegant als Wissenschaftlerin im Dienste der Menschheit und der Weiblichkeit zeigt. Und sogar das Fernsehen würdigt klug vier Frauen auf einen Streich: Im Tatort spielen vier Fassbinder-Heroinen zusammen Eva Mattes (die so aus dem Format scheidet), Hanna Schygulla, Irm Hermann und Margit Carstensen. Die vier landeten nie auf Flüssen, aber oft genug mitten in Herzen.