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Vorschlag-Hammer:Wunschzettel im Listenreich

Die zehn Lieblingsalben, 20 Filme, die man gesehen haben muss - solches Aneinanderreihen überlasse ich gerne anderen. Ein Best-of meiner Konzertmomente des vergangenen Jahres aber ist drin

Sobald der Halloween-Süßkram aus den Regalen raus- und die Adventskalender reingeräumt werden, bestücken viele meiner Social-Media-Bekanntschaften ihre Internet-Schaufensterchen mit Rückbesinnlichem: die zehn Lieblingsplatten 2018; 20 Filme, die man hätte gesehen haben müssen; die sechs schönsten Fallrückzieher der Kreisklasse Ost. Solches Aneinanderreihen überlasse ich gerne anderen und neige dabei demütig mein Haupt vor dem Schriftsteller Nick Hornby, der es mit der Listenmacherei in seinem Buch "High Fidelity" zur Meisterschaft gebracht hat und den mein Redaktionskollege Bernhard Blöchl gerade anlässlich der Verfilmung von "Juliet, Naked" (von 15. November an im Kino) interviewen durfte.

Also, keine Liste. Aber doch ein Best-of. Der Konzertmoment des Jahres war für mich bei Pearl Jam, für die man ja leider nach Berlin fahren musste. Da ließen ein paar Tausend Fans ihre Papp-Bier-Tabletts von der Waldbühnentribüne aus kreiselnd segeln, so hypnotisch schön, dass ich gar nicht bemerkte, zu welchem Lied das passierte. Schlimmster Konzertmoment: Als Sophie Hunger im Freiheiz das herzzerreißende "Cou Cou" für die von ihr schmerzlich vermisste Tochter des Ex-Freundes sang, Tränenstille - und im Hinterteil der Halle befüllte das Barpersonal scheppernd den Kühlschrank. Schon deshalb reise ich bald nach Prag zum Konzert der famosen Schweizer Musikerin.

Aber was hat der Münchner Pop-Freund von solchen Erinnerungen? Vielleicht, dass ich nach dem ergreifendsten Exklusiv-Konzerts 2018 - Element of Crime im BR-Studio - wärmstens deren "Schafe, Monster und Mäuse"-Tourstop am 1. Mai im Circus Krone empfehlen kann. Und Mulo Francel und Chris Gall von Quadru Nuevo, mit denen ich einmal eine prima Zeit in Buenos Aires verbrachte, in der Pasinger Fabrik am 6. November. Und am selben Tag die guten alten Nightingales in der Milla, die ich 2009 beim Puch-Festival erlebte. An viel kann ich mich nicht erinnern, aber im Internet schreiben die Puch-Macher, die Birminghamer hätten "mit ihrem volltrunken-grantelnden Sänger Robert Lloyd ein denkwürdiges Konzert einschließlich zur Punkattitüde passender Publikumsbeschimpfung und adäquater Hasstiraden" gegeben. Gut, dass andere mitschreiben.