Vorschlag-Hammer:Welt der Monster

Sie müssen nicht glauben, was in der Zeitung steht. Aber vertrauen sie Martin Armstrongs Computer, und der sagt: am 17. Oktober geht der Euro unter

Von Susanne Hermanski

Martin Armstrong ist kein Model. Aber ein Monster ist er auch nicht; er wird nur so behandelt. Der Analyst hat Jahre im Gefängnis verbracht. Warum genau, das ist umstritten. Die einen sagen, er sei ein Scharlatan. Die anderen halten ihn für ein Genie. Denn Anfang der Achtzigerjahre hat er ein Computerprogramm entwickelt, mit dessen Hilfe er Ereignisse der Weltwirtschaft derart präzise voraussagen konnte, dass manchen angst und bange dabei wurde: die Russlandkrise 1998/99, die Dotcom-Blase 2000, die Finanzkrise 2007.

Just als der Dokumentarfilmer Marcus Vetter ("Das Herz von Jenin") mit Armstrong 1999 Kontakt aufgenommen hatte, um über dessen Arbeit einen Film zu drehen, stürmte das FBI Armstrongs Büro und beschlagnahmte seinen Computer. Der Geheimdienst wollte ihn zur Herausgabe jenes Codes zwingen, mit dessen Hilfe er seine Berechnungen anstellte. Zwölf Jahre verbrachte Armstrong im Gefängnis - ohne Prozess.

Nach seiner Entlassung ist es Marcus Vetter gemeinsam mit unserer SZ-Kollegin Karin Steinberger nun doch noch gelungen, einen Film über Armstrong fertigzustellen: The Forecaster. Darin kommen wieder einige unliebsame Wahrheiten zur Sprache - unter anderem prangert Armstrong ein gigantisches Schulden-Schneeball-System an, das seiner Ansicht nach Regierungen in den USA, Europa und Japan aufgebaut haben. Und er hat auch einen klaren Termin genannt, wann der Kollaps dazu die Welt erschüttern wird: den 17. Oktober 2015.

Bevor ihre Schulden die Europäer also heimsuchen werden, als wären es Zombies, die aus leeren Tresoren kriechen, sollte man sich den Armstrong-Code noch einmal ganz genau ansehen. Am Montag, 11. Mai, um 20 Uhr kommen nicht nur die Filmemacher ins Rio Kino, sondern auch Martin Armstrong persönlich. Zweifellos einer der Höhepunkte des diesjährigen Dok.fests, das noch viele Beiträge mehr zu bieten hat, die erschreckender sind als manche fiktionale Nachtmahr.

Wer die Wirklichkeit nicht ertragen kann und sich trotzdem gruseln will, für den habe ich freilich auch einen Vorschlag. Im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg wird an diesem Donnerstag eine neue Sonderausstellung eröffnet: Monster. Fantastische Bilderwelten zwischen Grauen und Komik. Gezeigt werden darin 200 gruselige Gemälde, Bücher und Skulpturen vom Mittelalter bis in die Gegenwart (läuft bis 6. September). Griechische Sagengestalten sind auch darunter.

© SZ vom 07.05.2015
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