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Vorschlag-Hammer:Von Zugvögeln und Nesthockern

Warum man lieber ein Zugvogel wäre, sich aber öfters wie ein Nesthocker fühlt

Dass ich ein reisefreudiger Zugvogel bin, der gerne noch viel öfter in alle Himmelsrichtungen ziehen würde, hat sich ja mittlerweile herumgesprochen. Klappt nur leider nicht so oft. Deshalb fühle ich mich im Vergleich zu manch anderem Kollegen mitunter wie ein Nesthocker. So wäre ich gern vergangene Woche zur Art Dubai gefahren. Besonders der zeitgenössische Sektor war dort gut vertreten, nicht nur durch zahlreiche Galerien aus dem Nahen und Fernen Osten, sondern aus der ganzen Welt. Auch die Galerie Tanit, 1972 in München gegründet, war dort mit ihrem Beirut-Ableger vertreten. An der Maximilianstraße ist derweil unter dem Titel Narrated eine hochkarätig besetzte Ausstellung zu sehen (bis 5. Mai) - mit Arbeiten verschiedener Fotografen, die Geschichten erzählen wollen.

Anfang des Jahres hatte ich auch noch mit dem Gedanken gespielt, dieser Tage nach Hongkong zu fliegen. Nicht nur, dass ich Freunde hätte besuchen können, die ich länger nicht gesehen habe. Zudem läuft dort auch gerade die Art Basel Hong Kong. Und es gibt wohl kaum eine bessere Gelegenheit, sich einen Überblick über den asiatischen Markt zu verschaffen, als bei dem jüngsten Ableger des Schweizer Kunstmarktschlachtschiffs, das vor fünf Jahren erstmals in Südostasien anlegte. Tatsächlich hätte ich auch hier Gelegenheit gehabt, einen Bekannten zu treffen. Rüdiger Schöttle, der in diesem Jahr sein 50. Jubiläum feiert, ist mit seiner Galerie vor Ort. Von einer irgendwie gearteten Altersmüdigkeit ist bei dem Münchner Galeristen jedoch nichts zu spüren. Kürzlich bemerkte er im Gespräch, die Messe in Hongkong sei doch immer recht lustig. Schöttle zeigt auf der Messe unter anderem Arbeiten von Thomas Ruff und Chen Wei. Von beiden sind Einzelausstellungen noch bis 7. April in der Galerie Schöttle in der Amalienstraße zu sehen: Thomas Ruffs neuer Fotografie-Zyklus neg◊lapresmidi und die inszenierte Fotografie-Serie Falling Light des chinesischen Künstlers Chen Wei.

Rund um Ostern ist es wie immer etwas ruhiger, da bleibt Zeit, einen Blick in die Galerie von Hanna und Bernhard Wittenbrink zu werfen. Auch sie behaupten sich als Galeristen seit nunmehr 40 Jahren auf dem Kunstmarkt. Derzeit stellen sie Malerei von Christian Faul aus unter dem Titel yulamaii (bis 14. April). Apropos Kunstmarkt und Jubiläum: Das Auktionshaus Neumeister feiert in diesem Jahr sein 60. Jubiläum und wird unter dem Titel Grüss Gott München zu vermutlich unser aller Amüsement Arbeiten des Cartoonist Peter Gaymann zeigen (ab 10. April). Die ruhige Zeit endet spätestens am 30. April im Olympiastadion, wenn Anpfiff ist für die Mega-Sause von PAM, Public Art Munich, die mich mit ihren performativen Aktionen bis Ende Juli in Atem halten wird. Dann wird noch weniger Zeit fürs Reisen bleiben. Von wegen Zugvogel . .