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Vorschlag-Hammer:Von Menschen, die mit Pferden tanzen

Jean-François Pignon braucht keinen Sattel und kein Zaumzeug. Endlich ist er wieder einmal in München zu erleben

Manche, die sich trauen, halten es ja schon für eine Kunst, überhaupt auf dem Pferd sitzen zu bleiben. Jean-François Pignon kann darüber nur lachen. Er braucht nicht einmal Sattel und Zaumzeug, um seine Pferde zu reiten. Von Kindesbeinen an ist er kentaurengleich derart mit ihnen verwachsen, dass die körpersprachlichen Interaktionen zwischen Mensch und Tier für den Zuschauer kaum sichtbar, geschweige denn dechiffrierbar sind. Gleiches gilt, wenn er sie vom Boden aus dirigiert. Magisch. Nun kommt Pignon endlich wieder einmal nach München, zu den Munich Indoors in die Olympiahalle. Die Stars seiner Show "Black & White": acht herrliche Schimmel und sechs ebenso schöne Rappen. (Samstag, 23. November, 17 Uhr, und am Sonntagnachmittag vor dem Großen Preis der Deutschen Kreditbank).

Pignon sei für die Freiheitsdressur, was Ludger Beerbaum und Isabell Werth für den Spring- und Dressursport sind, liest man in der Presseankündigung. Wirklich? Denn die Sportreiterei, wie sie heute betrieben wird, funktioniert nie ohne Druck. Wie jeder andere Sport, geht es bei der Profi-Turnierreiterei um viel Geld. Weshalb die Pferde schnell und effektiv ausgebildet werden müssen. Anja Beran braucht das nicht zu interessieren. Denn sie hat sich als Ausbilderin der schonenden Gymnastizierung des Pferdes nach dem Vorbild der großen Reitmeister verschrieben. Die 10. Fachtagung ihrer Stiftung (Circus Krone, 24. November, 11 Uhr) ist diesmal mit dem Zitat des Reitmeisters Udo Bürger überschrieben. Der hat in der "Vollendeten Reitkunst" niedergeschrieben, wie Reiter und Pferd zu einer Einheit werden können. "Der Pferdehals formt sich zuletzt", also sagt Bürger, sagt auch Beran und greift damit indirekt ein prekäres Thema auf: die sogenannte Rollkur, mittels derer man Dressurpferde schmerzhaft gefügig macht. Wenn aber Pferde mit gefühlvoller Einwirkung geritten werden, dann tanzen sie.

Im Showteil tanzt mit ihnen die Flamenco-Tänzerin Monserrat Suarez. Man sagt von ihr, dass unter ihrem Zapateado, dem Schlag ihrer Füße, der Boden wie bei einem Erdbeben erzittere - oder wie bei galoppierenden Pferden. Begleitet wird sie vom Gitarristen Diego Rocha. Und weil das noch nicht genug ist, präsentiert Circus-Krone-Chefin Jana Lacey-Krone, die ihrerseits die Freiheitsdressur von Christel Sembach-Krone erlernte und mit Anja Beran seit 29 Jahren zusammenarbeitet, wie diese die Hohe Schule samt Live-Kammerorchester zum Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach auf ihren tanzenden Hengsten reitet (14. Dezember, 15 Uhr, Circus Krone).