Vorschlag-Hammer:Traumstädter

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Eine Ausstellung erinnert an Peter Paul Althaus und seine Apologeten

Von Sabine Reithmaier

Jeder träumt sich manchmal weg von der Wirklichkeit, vom Alltag. Aber nicht jedem gelingt das so poetisch wie Peter Paul Althaus. Nach zwei Weltkriegen begann der Schwabinger Dichter, seine eigene Welt zu erfinden, seine Traumstadt. Erst bedichtete er sie nur in hinreißenden Versen. Doch kurz vor seinem Tod 1965 lud er zur ersten Bürgerversammlung der Traumstadt "chez Malura". Viele kamen, um " ihrem irdischen Dasein eine metaphysische Schleife umzubinden", wie Rolf Flügel, damals Feuilletonchef des Münchner Merkur, die erste Versammlung beschrieb. Althaus war der erste Bürgermeister, inzwischen steht Christian Ude dem Künstlerkreis vor. Doch wer den Anfängen dieser wundersamen Utopie ein wenig nachspüren möchte, sollte dringend nach Oberdießen "chez Malura" reisen. Dort erinnert eine Ausstellung anlässlich des 50. Todestags Althaus', von seinen Freunden nur PPA genannt, an den Gründungsvater der "Traumstadt" und des "Seerosenkreises".

Gastgeber Oswald Malura, Maler, Weltenbummler und Galerist, begann, gleich nachdem er 1945 sein Atelier an der Münchner Leopoldstraße vom Schutt befreit hatte, damit, Gleichgesinnte einzuladen. Maler, Schriftsteller, Kabarettisten und Phantasten - sie alle kamen, erst in die diversen Galerien Maluras und später in seine Wohnung in der Kaulbachstraße 75, dem eigentlichen Domizil der Traumstadt. Der Künstlertreff löste sich im Januar 2012 auf, als Oswalds Sohn Andrew Malura die Wohnung endgültig aufgeben musste. Zum Glück aber hatte sein Vater in Oberdießen ein Bauernhaus erworben, das inzwischen zum Malura-Museum umgewandelt ist. Normalerweise zeigt es Werke Maluras, aber derzeit sind auch Bilder, Skulpturen und Dokumente von Traumstädtern und Seerosianern zu sehen, unter anderem von Bele Bachem, Elmar Dietz, Franz Eska, Baldur Geipel, Erwin Petzold, Ludwig Scharl. Und weil in jeder Traumstadt-Einladung "Bringt Jugend mit!" stand, zeigt die Ausstellung auch Werke jüngerer und junger Künstler wie Martin Blumöhr, Peter Hauber, Joachim Jung, Katharina Schellenberger und Günther E. Stephan (Ein Hauch von Traumstadt, Malura-Museum Oberdießen).

Ein ganz anderer Geist weht in der Ausstellung " Raumfalten" im Freisinger Schafhof. Die japanische Origami-Künstlerin Tomoko Fuse hat dort im Tonnengewölbe des Europäischen Künstlerhauses einen riesigen japanischen Steingarten mit Seerosen, Wasser, Wellen und Strudeln erschaffen. Alles nur aus Papier. Und ihr bayerischer Kollege Heinz Strobel spielt sich beeindruckend mit geometrischen Formen, die er auseinander nimmt und aus einfachen Papierstreifen mit Hilfe der von ihm erfundenen Techniken Schnappologie und Knotologie wieder zu komplexen Gebilden zusammensetzt. Sehenswert (noch bis 11. Oktober, Europäisches Künstlerhaus Schafhof, Freising).

© SZ vom 23.09.2015 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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