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Vorschlag-Hammer:Schnurrend durch flirrende Zeiten

Filmfest-Eröffnungsparty hier, Indie-Party da, zwischendurch Interviews führen und die Kulturseiten der Zeitung machen - kein Wunder, dass ich gerade fiebrig bin. Aber wissen Sie was? Mich macht der ganze Trubel gerade vor allem eins: berufsglücklich

Kolumne von Bernhard Blöchl

Derzeit bin ich ein bisschen fiebrig, nicht krank, sondern auf Hochtouren. Wepsert, wie der Bayer sagt. Die WM spielt dabei keine Rolle; nicht auszudenken, wären wir noch im Spiel. Danke Merkel, ach nein, danke Jogi! Fiebrig bin ich vor allem wegen des Filmfests, die Arbeit fing ja schon vor Wochen an: Beiträge sichten, SZ-Beilage stemmen, rein in's Getümmel. Eröffnungsparty hier, Indie-Party da, zwischendurch Interviews führen und die Kulturseiten der Zeitung machen. Denn diese erscheint ja auch dann, wenn die Münchner ihre Freizeit in den Kinos verbringen. Aber wissen Sie was? Berufsglücklich macht mich all der Trubel, und seit ich mit dem Regisseur Jakob Lass über die Kunst des Improvisierens gesprochen habe, weiß ich auch warum: weil ich im Flow bin, wie der Wahl-Berliner sagen würde, in einem Zustand zwischen Über- und Unterforderung, den er regelmäßig selbst sucht in seinem Schaffen. "Wenn du genug gefordert bist, aber nicht überfordert. Das ist ein Idealzustand, der selten erreicht wird. Aber je mehr man sich dem nähert, umso glücklicher wird man und umso mehr ist man im Hier und Jetzt. Umso mehr wird das fast ein Rausch." Sagt der lässige Lass. Ein filmischer Rausch ist seine rhythmische Abriss-Party-Komödie So was von da in jedem Fall (startet am 16. August in den Kinos).

Aber man muss schon auf sich aufpassen, kultureller Dauerrausch ist auch keine Lösung. In fiebrigen Phasen helfen mir meine Katzen. Okay, mein Lieblingsmensch schnurrt und schmust (und faucht) auch. Aber beruhigender sind halt doch Penny und Mr. Hobbs, deren hohe Kunst des Herumlümmelns für berufstätige Zweibeiner inspirierend und unerreichbar ist. Wer gerade keine Katzen zur Hand hat, dem sei eine Ausstellung ans Herz gelegt, wie sie erbaulicher kaum sein kann (und die mich ein bisschen an das hübsche Amsterdamer "Kattenkabinet" erinnert): Stuben und Tiger heißt die Hommage an die im August 70 werdende, ewig jung gebliebene Wimmelbildweltmeisterin Rotraut Susanne Berner. 120 ihrer Katzenbilder sind in der Internationalen Jugendbibliothek im Schloss Blutenburg ausgestellt (noch bis 2. September). Ich selbst bleibe noch etwas im Flow, empfehle ohne weitere Erklärung den Film Kim hat einen Penis (6. Juli, 15 Uhr, und 7. Juli, 20 Uhr) und freue mich auf das Abschlussfest am Samstag von 21 Uhr an im Gasteig-Innenhof (Eintritt frei). Auf also zum fiebrigen Finale! Nicht WM, dieses Finale kommt erst eine Woche später, sondern Filmfest.

© SZ vom 06.07.2018
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