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Vorschlag-Hammer:Menschen und ihre Phantome

Es war Tilda Swinton, die 1988 die Berliner Mauer entlang radelte, ein Jahr vor dem Mauerfall, im Film "Cycling the Frame" von Cynthia Beatt. 20 Jahre später hat sie diese Tour noch einmal gemacht

Eine Frau radelt durch Berlin ..., klingt nicht unbedingt nach einem aufregendem Kinostoff. Aber: Es war Tilda Swinton, die 1988 die Berliner Mauer entlangradelte, ein Jahr vor dem Mauerfall, im Film "Cycling the Frame" von Cynthia Beatt, und 20 Jahre später hat sie diese Tour noch einmal gemacht, "The Invisible Frame". Ein abenteuerliches Doppelporträt der Stadt, das die kleinsten Veränderungen sichtbar macht, die die Zeit ihrer Geschichte einritzt. Nun schickte Cynthia Beatt erneut eine junge Schottin in die Stadt, im Film Ein Haus in Berlin, die hinreißende Susan Vidler. Sie hat dort ein Haus geerbt, und weiß nicht recht, was sie damit anfangen soll, mit all den Geschichten, aus denen es besteht. Der Film läuft am Wochenende im Rahmen der Architekturfilmtage im Filmmuseum, wo man erleben kann, wie geisterhaft Häuser werden, sobald Menschen darin leben. Dazu läuft im Werkstattkino La Casa Lobo - Das Wolfshaus, von den chilenischen Filmemachern Cristóbal León und Joaquín Cociña. Ein Mädchen verläuft sich im Wald und gerät in ein merkwürdiges Haus. Auch der Wolf und die drei kleinen Schweinchen spuken durch den Film. Das Mädchen floh aus der berüchtigten Sekte der Colonia Dignidad des Deutschen Paul Schaefer. "Wir stellten uns vor, Filmproduzenten in dieser Kolonie zu sein. Was wäre geschehen, wenn Paul Schaefer eine Art Walt Disney gewesen wäre?"

"Casa Loboist so der Urtraum aller Filmemacher, ein Film, in dem alle Formen sich auflösen, "der permanent auseinanderfällt und sich dann selbst wieder zusammensetzt". Ein solcher Film ist auch Das Bildbuch von Jean-Luc Godard, ein Powerstück, das die (Film-)Geschichte des 20. Jahrhunderts komprimiert. Man sollte, zum Weitersehen, schon mal seine eigene Handbibliothek mit jenen DVD-Filmen zusammenstellen, aus denen Godard zitiert, von Dowshenkos "Erde" bis "Johnny Guitar". Und Jacques Tourneurs "Berlin Express". Damit man eine Ahnung hat, wohin die Reise geht.