bedeckt München
vgwortpixel

Vorschlag-Hammer:Macht der Bilder, Bilder der Macht

Putin, Putin, Putin, 30 Bilder, von denen keines für sich eine vollgültige Wahrheit behauptet, schon gar nicht im Sinne simpler politischer Pamphlete. Alle Bilder zusammen aber sind eine Wahrheit, als ein assoziativ hochwirksames Kaleidoskop. Gemalt hat die Bilder Ira Blazejewska

Putin melancholisch, Putin als Jüngling, das Haar gescheitelt in den Farben der deutschen und der russischen Flagge, Putin als Supermacho mit großem Genital, vielleicht gar nicht Macho, eher Schwulenikone mit einer Prise Francis Bacon. Putin als Zar, als Agent, als Schattenmann, Putin, Putin, Putin, 30 Bilder, von denen keines für sich eine vollgültige Wahrheit behauptet, schon gar nicht im Sinne simpler politischer Pamphlete. Alle Bilder zusammen aber sind eine Wahrheit, als ein assoziativ hochwirksames Kaleidoskop. Ira Blazejewska hat die Bilder gemalt, der Galerist Christoph Dürr hat sie zu dem Zyklus überredet, als er ihre ersten Porträts von Wladimir Putin sah. Im Frühjahr dieses Jahres stellte er sie aus, nun hat Dürr sie als bemerkenswert schönes Büchlein verlegt. Am Freitag, 19. Oktober, wird das Buch mit dem Titel Putin Putin ... vorgestellt, in der Galerie Christoph Dürr in der Hübnerstraße 5 in Neuhausen (19 Uhr). Und da in dem Buch den Porträts Textausschnitte aus Dostojewskis "Aufzeichnungen aus dem Untergrund" gegenübergestellt sind, gibt es an dem Abend auch eine Dostojewski-Lesung mit musikalischer Begleitung.

Diese könnte Ira Blazejewska eigentlich auch selber machen. Schließlich suchte sie ihren ersten künstlerischen Ausdruck im Gesang, um dann kurz vor der großen Oper zur Malerei abzubiegen, ohne allerdings die Musik ganz hinter sich zu lassen. Ihrem politischen Interesse kommt das sicherlich entgegen. Teile ihrer familiären Wurzeln reichen in den Kaukasus, nach Inguschetien, heute die kleinste autonome Republik der Russischen Föderation. Selbst war sie nie dort, aber ein Anstoß, sich mit Putin zu beschäftigen, mag das doch gewesen sein. Wobei: Braucht es dafür überhaupt noch einen Anstoß? Ist der nicht ohnehin immer vorhanden? Dazu könnte man nun noch darüber nachdenken, weshalb diese Kolumne an dem Wochenende erscheint, an dem in Bayern gewählt wird, aber das lassen wir jetzt lieber bleiben. Viel eher könnte man darüber schmunzeln, dass nun an diesem Wochenende auch der 125. Geburtstag der Münchner Philharmoniker gefeiert wird. Deren Generalmusikdirektor Valery Gergiev würde sich vielleicht über eines der Büchlein als Präsent freuen, wobei der vom russischen Staatschef vermutlich noch ganz andere Facetten kennt, als sich Blazejewska je zu malen ausdenken könnte. Vielleicht kommt er am Samstag zur eigentlichen Geburtstagssause als Überraschungsgast. Also Putin. Gergiev ist ja schon da, weil er an dem Wochenende einige Konzerte leiten muss, auf die man sich wirklich freuen kann. Musiker und Sänger vom Mariinsky Theater kommen auch und führen am Sonntag Tschaikowskis Oper Iolanta auf.