Vorschlag-Hammer Lippen abwischen und lesen

Ich hatte Max Goldts Kolumnen dabei - im Cluburlaub am Pool. Und allein sein Text über die "Lecker"-Sager gab wertvolle Verhaltenshinweise im Speisesaal

Kolumne von Bernhard Blöchl

Ob es eine gute Idee war, im Cluburlaub Max Goldt zu lesen? Abgesehen davon, dass es immer eine gute Idee ist, Max Goldt zu lesen, wäre Tommy Jauds neue Kanaren-Komödie "Der Löwe büllt" unauffälliger gewesen. Aber ich hatte nun mal eine Mission. Das Interview mit dem vergnüglich-strengen Sprachästheten (Goldt, nicht Jaud) rückte näher, also verbrutzelte ich zur Vorbereitung am Pool im Süden Fuerteventuras und erfreute mich an dessen Kolumnen, in denen es mitunter um den maßlosen Gebrauch des Wortes "lecker" geht ("nichts als eine harmlose, dumme, lächerliche Mikrobe"). Aufs Unterhaltsamste belehrt, beherzigte ich seinen Alternativvorschlag augenblicklich zwischen all den "Lecker"-Sagern im Speisesaal: "Lippen abwischen und lächeln." Mehr Schönes aus Max' Goldtmund gibt es am 4. Juni in den Kammerspielen.

Wohler fühle ich mich ohnehin in der Gesellschaft von Büchermenschen. Mit Vea Kaiser zum Beispiel lässt es sich prima über Romane sprechen - gerne bei einem Augustiner, darauf habe sie sich etliche Zugkilometer lang gefreut. Die Wiener Schriftstellerin ("Rückwärtswalzer") ist gerade auf ausgiebiger Lesetour (in München am 5.8. bei Bücher Krugg) und berichtet beim Zwischenstopp in Pasing von ausverkauften Sälen von Hamburg bis Schwabmünchen. Eine schöne Feststellung, die auch die kürzlich zu Ende gegangene und gut besuchte Woche der Münchner Verlage bestätigt hat: Geschichten begeistern, Gedrucktes lebt. Die Beglückung mag anhalten, befeuert mit frischen Ideen. Auf neue Live-Formate dürfen sich Freunde der Textkunst freuen. Lix heißt die Lesereihe im Hoch X, wo von Lyrik über Prosa bis zum Theatertext Loblieder auf Genre- und Medienübergreifendes gesungen werden (erstmals am 21.5.). Neuen literarischen Stimmen aus München soll das Atelier Monaco Gehör verschaffen, wobei es bei den Gesprächen in der Monacensia auch um den kreativen Prozess gehen soll (22.5., mit Alex Burkhard und Jakob Schreier). "Literatur ins Face" heißt ferner das Motto der österreichischen Hip-Hop-Show Rapper lesen Rapper, die in der Milla Deutschlandpremiere hat (24.5.).

Jede Menge los ist im Mai sowieso: Der letzte Bundesligaspieltag an diesem Samstag ist Pflicht, fordernd auch das letzte Wochenende Dok-Fest, und am Dienstag stellt der Troubadour der Gefallenen, Peter Doherty, seine neue Indieband The Puta Madres im Backstage vor. Wer braucht schon Animation im Cluburlaub, wenn er das Kulturleben in München hat?