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Vorschlag-Hammer:Frauen und ihre seuchenartige Lust

Jen und Sylvia Soska greifen mit ihrem neuen Film "Rabid" hoch und eifern David Cronenberg nach

Twisted Twins heißt die Produktionsfirma von Jen und Sylvia Soska in Vancouver. Sie sind eineiige Zwillingsschwestern (daher: Twins) und verehren unter vielen anderen Stephen King, Bret Easton Ellis und natürlich Tarantino (daher: twisted). Schon als Jugendliche waren sie wild darauf, selber ihre Filme zu machen - eine schöpferische Unabhängigkeit, für die das Horrorgenre geschaffen scheint. Das Geld für ihre frühen Filme kratzten sie sich mühsam zusammen, mit radikaler Fantasie und strenger Askese. Mit ihrem neuesten Film greifen sie nun richtig hoch, Rabid läuft im Fantasy-Filmfest, an diesem Freitag um 18 Uhr. Ja, dies ist in der Tat nach dem gleichnamigen Film von David Cronenberg aus dem Jahr 1977, man kennt also die Geschichte. Rose werkelt in der Modebranche, wird aber gemobbt, als hässliches Entchen. Dann hat sie einen Motorradunfall, wird grässlich entstellt und mit einer neuen Heilmethode in eine vitale Schönheit transformiert. Mit einem gewaltigen Hunger auf Blut - und mehr. Eine Lust, die sich seuchenartig überträgt.

"Die Frauen sind auf natürliche Art schöpferisch." Agnès Varda hat das gesagt, die französische Filmemacherin am Rande der Nouvelle Vague, die im März gestorben ist, mit 90 Jahren. Und Katja Raganelli hat so ihren Film über Varda genannt, 1977. Es war der Erste einer Reihe von Filmen über Frauen, die dann folgen sollten, unter anderem über Liliane de Kermadec, Delphine Seyrig, Margarethe von Trotta, Barbara Loden. Die Filme laufen in den nächsten Wochen alle im Filmmuseum, am Mittwoch um 19 Uhr gibt es den Varda-Film, Katja Raganelli ist anwesend. In Varda fand sie ihre eigenen Schwierigkeiten gespiegelt, nach ihrem HFF-Studium in München ihre Projekte zu realisieren - unabhängig zu werden als Filmemacherin. Sie traf Varda am letzten Drehtag für deren Film L'une chante, l'autre pas/Die eine singt, die andere nicht, über zwei Frauen in den Sechzigern, die selbst entscheiden wollen über ihre Leben, ihre Körper, über Kinderkriegen und Abtreibung. Bei einer führt das dann über eine kurze Ehe mit einem Iraner.

Ein großer Frauenregisseur in Hollywood: Alfred Hitchcock, der sich nicht nur gern in seine Aktricen verguckte, sondern sich, in den Vierzigern zumal, mit ihnen identifizieren konnte. In Suspicion/Verdacht, Freitag, 21 Uhr, in der Hitchcock-Retro im Filmmuseum, gerät Joan Fontaine in den Bann von Cary Grant, der in diesem Film unausstehlich charmant ist und womöglich fiese Hintergedanken hat - aber bei den damaligen Standards darf man das natürlich nie so genau wissen.