Vorschlag-Hammer Ferne und andere Welten

(Foto: Bernd Schifferdecker)

Zweifellos ist es nicht nur bequem, sondern oft auch ein Erlebnis, wenn man zahlreiche Kunstwerke in einer Blockbuster-Schau an einem Ort sehen kann, für die man sonst in verschiedene Städte reisen müsste. Ich aber merke, dass mich Ausstellungen, die mich überraschen, die mir neue Einblicke gewähren, deutlich mehr faszinieren

Kolumne von Evelyn Vogel

Manche Menschen besuchen offensichtlich besonders gerne Ausstellungen, in denen sie Kunst sehen, mit der sie vertraut sind. Ist das so, weil der Kunst-Genuss bequemer ist als die Kunst-Aneignung? Oder weil mancher es als Bestätigung empfindet, dass der persönliche Geschmack durch die Blockbuster-Schau gleichsam nobilitiert wird? Zweifellos ist es nicht nur bequem, sondern oft auch ein Erlebnis, wenn man zahlreiche Werke an einem Ort sehen kann, für die man sonst in verschiedene Städte und Länder reisen müsste. Ich aber merke, dass mich Ausstellungen, die mich überraschen, die mir neue Einblicke gewähren und neue Lebenswelten eröffnen, deutlich mehr faszinieren.

So bin ich nachhaltig von der Ausstellung Triumphant Scale von El Anatsui im Haus der Kunst beeindruckt (bis 28. Juli). Ja, auch die mächtigen Formate, das Triumphale und Monumentale, spielen dabei eine Rolle. Mehr aber noch, wie der ghanaische Künstler mit vor allem wiederverwertetem Material umgeht und hierbei den Ort der Ausstellung gleichsam mit einer globalisierten Welt verwebt. Dass einige der Arbeiten dabei durchaus poetisch anmuten, lässt bestimmt auch Besucher auf der Suche nach Genuss dort lange verweilen. Recht lange verweilen kann man auch in der Doppelfilminstallation Flora von Teresa Hubbard und Alexander Birchler, den die Sammlung Goetz in der Akademie der Schönen Künste zeigt (bis 24. Mai). Obwohl ich das Werk schon bei der Uraufführung vor zwei Jahren auf der Biennale in Venedig gesehen habe, fand ich es erneut faszinierend, wie die beiden Künstler sich hier von zwei Seiten einer völlig fremden Lebensgeschichte nähern und diese filmisch verweben: die von Flora Mayo, einer amerikanischen Künstlerin und zeitweiligen Geliebte Alberto Giacomettis.

Das Interesse an fernen und fremden Kulturen treibt nicht nur mich immer wieder nach Asien und in andere Lebenswelten. Auch den amerikanischen Künstler Robert Rauschenberg brachte es Anfang der Achtzigerjahre dazu, nach China zu reisen. Die Fotoserie, die dort entstand, veröffentlichte er unter dem Titel "Study for Chinese Summerhall". Diese zeigt die Alexander Tutsek Stiftung neben ihren Neuerwerbungen aus Glas vom 22. März an unter dem Titel Primäre Gesten. Nicht in andere Welten, aber doch in andere Städte war die Sammlung der Christoph Heilmann Stiftung verschickt worden. Nun kehrt sie heim ins Lenbachhaus und wird dort in der Ausstellung Natur als Kunst zusammen mit Landschaftsfotografie aus dem Stadtmuseum gezeigt (bis 18. August).