Vorschlag-Hammer Es bleibt der Hauch von etwas Großem

Auf dem Adlersberg war mal ein Kloster, noch heute umsäumt eine Mauer eine Gastwirtschaft, einen Biergarten, einen Stadl und die ehemalige Klosterkirche. Adlersberg, Kirche und Wirtschaft bleiben zwar bestehen, aber leider nicht die Stimmwercktage. Sie waren der Grund, weshalb ich einige Male hier war

Kolumne von Egbert Tholl

Als ich das erste Mal auf dem Adlersberg war, ich weiß nicht mehr wann das war, dachte ich mir: Das kann es doch gar nicht geben. Und wenn es diesen Ort gibt, wieso weiß die Welt davon nichts. Oder jedenfalls viel zu wenig. Hier war mal ein Kloster, noch heute umsäumt eine Mauer eine Gastwirtschaft, einen Biergarten, einen inzwischen herrlich ausgebauten Stadl und die ehemalige Klosterkirche, die längst eine normale Pfarrkirche ist. In dieser Kirche gibt es ein paar schöne, gotische Freskenreste und drei Gemälde. Die zeigen Bischöfe oder ähnliche Würdenträger. Einer von ihnen trägt den Kopf nicht auf den Schultern, sondern zwischen ihnen, als hätte er etwas Schweres auf diesen Kopf bekommen, der daraufhin einsackte. Das Gemälde hat mich immer erheitert. Der Ausblick vom Adlersberg bis nach Regensburg, immer schön die Donau entlang, gleichermaßen.

Nun bleiben Adlersberg, Kirche und Wirtschaft bestehen, aber nicht die Stimmwercktage. Sie waren der Grund, weshalb ich einige Male hier war. Die Tage gab es seit 2005, das Ensemble Stimmwerck hatte sie ins Leben gerufen. Dieses bestand seit 2001 und aus dem Kontratenor Franz Vitzthum, den Tenören Klaus Wenk und Gerhard Hölzle und dem Bass-Bariton Marcus Schmidl. Zusammen machten sie allerfeinste Renaissance-Musik, sangen also zumeist ohne instrumentale Begleitung. Und das auf einem so exquisiten Niveau, auf dem man als Ensemble mit Kollegen wie etwa dem Hilliard-Ensemble schon recht allein ist.

Sie entdeckten in schlummernden Bibliotheken Schätze zum Singen, sie kümmerten sich um die Vermittlung der Musik, zu den Konzerten auf dem Adlersberg kam eine Akademie hinzu und überhaupt sangen sie viel, an vielen Orten und wunderschön. Nicht immer zusammen, aber immer wieder.

Nun sind die langen, schönen Jahre vorbei, und das Ensemble löst sich auf. Einer geht ins Kloster, einer muss sich mehr um die Familie kümmern, einer lebt inzwischen in Freiburg. Was bleibt, ist aber die Erinnerung an fabelhafte Konzerte und die Erkenntnis, dass sich in der Musik nur die richtigen Leute zusammenfinden müssen. Dann entsteht etwas Großes. Das hat dann nichts Gemachtes, nichts Konstruiertes. Es ist einfach nur Können und die gemeinsame Liebe zur Kunst. Am Wochenende nun gibt das Ensemble Stimmwerck seine Abschiedskonzerte in Regensburg, das erste am Samstag, 12. Januar, und dann am Sonntag, 13. Januar, im Runtingersaal, einmal um 19 und einmal um 17 Uhr. Es ist ein Ende in gelöster Harmonie. Traurig müssen hier nur die Zuhörer sein. Aber in ihnen tönt noch die Erinnerung fort.