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Vorschlag-Hammer:Der schönste Bürgermeister

Bei der Vorstellung seines neuen Films "Darkroom" in Saarbrücken konnte man einen ausnehmend charmanten Rosa von Praunheim erleben

Vor ein paar Tagen war ich beim "Filmfestival Max Ophüls Preis" in Saarbrücken, welches sich viel unkomplizierter anfühlt, als es sein komplizierter Name verheißt. Schon der Beginn war fabelhaft: Rosa von Praunheim war zu Gast, weil er der Ehrenpreisträger des Festivals ist, präsentierte seinen neuen Film Darkroom und charmierte das gesamte Publikum. Saarbrückens Oberbürgermeister hat heute noch einen roten Kopf, denn diesem attestierte von Praunheim, dass er sehr gutaussehend sei. Der Film selbst basiert auf einem wahren Kriminalfall, hat einen beklemmend Sog und mit Božidar Kocevski einen geheimnisvollen Hauptdarsteller. Mehr sage ich dazu nicht, denn der Film kommt bald ins Kino, läuft am 27. Januar vorab im City-Kino und wird später von den Kollegen im Feuilleton besprochen.

Eigentlich war ich ja wegen eines anderen Films in Saarbrücken. Dieser wird nicht so ohne weiteres in den deutschen Kinos laufen, denn er ist auf Schweizerdeutsch, auf Arabisch und hat deutsche Untertitel. Gedreht hat ihn Carmen Stadler, und er ist wundervoll. Wenn nun jemand auf die Idee kommt, zu behaupten, natürlich findet der Tholl Sekuritas wundervoll, es spielt ja seine Freundin mit, so kann ich mit voller Überzeugung sagen: Der Film ist wirklich toll. Weil man danach 100 000 Geschichten zu den Figuren im Kopf hat, die man weiterdenkt, aus denen man für sich selbst ganze Romane entwickelt. Außerdem spielt er in einer ehemaligen Fabrik von Studer Revox, das ist jene Schweizer Firma, deren Tonbandmaschinen einst in keinem ernstzunehmenden Tonstudio fehlten. Und wer ein Faible für analoge Klangwiedergabe hat, ist allein schon deshalb tief berührt. Die verlassene Firma nun führt als Gebäude ein Eigenleben. Das Haus wünscht sich eine Liebesgeschichte und kriegt sie auch, zwischen einer Wachfrau und einem Putzmann, denen einige herrlich verschrobene Menschen begegnen.

© SZ vom 25.01.2020
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