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Vorschlag-Hammer:Deine Mudda

Der "Musikexpress" hat in einer sehr aufwendigen Analyse sämtliche Texte von 32 Rappern durchleuchtet. Das Ergebnis bringt Klarheit in einen wichtigen Diskurs

Eine Warnung vorab: Das wird sprachlich jetzt zunächst mal nicht schön - aber dafür bringt es endlich etwas Klarheit in einen wichtigen Diskurs. Aufgepasst: Farid Bang fickt die meisten Mütter. 275 nämlich. Noch da? Dann erst mal pardon. Und dann die Erklärung: Die Kollegen vom Musikexpress haben in einer sehr aufwendigen Analyse nämlich sämtliche Texte von 32 Rappern durchleuchtet. Und seitdem können wir mit Gewissheit sagen, dass Farid Bang verbal also tatsächlich der Primus inter Pares in einem Hip-Hop-Untergenre ist, das man Battlerap nennt (bitte nicht synonym verwenden mit Gangstarap - es gibt da zwar Überschneidungen, aber auch für den Laien schwer erkennbare Unterschiede). In dem Genre geht es jedenfalls, wieder grob verkürzt, darum, eingebildete oder tatsächliche Gegner durch möglichst kreative oder wenigstens sehr eklige Beleidigungen zu degradieren. Und da bieten Mütter natürlich viel Potenzial. Natürlich wird das Genre dafür wild kritisiert (vielleicht auch zu recht), es schöpft aus dem ganzen Zirkus aber auch eine recht urgewaltige Kraft. Zur Frage, wie schlimm das jetzt alles ist, gleich mehr. Vorher die Zahlen.

650 000 Wörter haben die Kollegen nämlich durchforstet, und zwar von einem durchaus gut gewählten Querschnitt der Deutschrap-Szene - also auch Texte von Rappern, die im Habitus deutlich sanfter sind als Farid Bang. Die Fantastischen Vier (17. Januar, Olympiahalle) zum Beispiel kommen auf null Mütter. Und wir wissen dadurch nun, dass im gesamten Œuvre der Untersuchten ganze 1265 Mal Mütter beleidigt werden - im Schnitt also knapp 40 pro Rapper, woraus man nun schnell sehen kann, wer von den anstehenden Besuchern hier wie weit über der Norm liegt: Der Zweitplatzierte, Kollegah (19. März; Tonhalle), brüstet sich etwa mit beachtlichen 270 Müttern, Bushido (2. November; Tonhalle) belegt mit 238 immerhin noch Platz drei. Dahinter: Fler (116) und K.I.Z. (96). Einzige Frau: Schwester Ewa - mit doch wenigstens noch sieben. Schön bis hierhin. Aber freilich mit einem winzigen Makel.

Was die reinen Zahlen nämlich nicht können: Ironie erfassen. Deshalb sei ergänzt, dass Alligatoah (23. Oktober, Oberfrankenhalle Bayreuth) es zwar auf immer noch eher beachtliche 40 Mütter bringt, dabei aber deutlich mehr Karikatur ist als zum Beispiel die 187 Straßenbande (15), deren Mitglieder Gzuz & Bonez MC am 26. November ins Backstage kommen. Inhaltlich weitere Entwarnung könnten übrigens die Beginner (25. November, Zenith - eine Mutter) bringen. Die haben auf ihrem aktuellen Album ein Feature mit Gzuz. Und weil sie darüber offenbar allerhand diskutieren mussten, war es ihnen ein Anliegen, dies klarzustellen: "Wenn konservative Fans uns vorwerfen, der sei zu Straße, zu böse, dann würde ich denen empfehlen, die Dinge einfach mal nicht zu wörtlich zu nehmen. Weil: Man sollte die Dinge nicht wortwörtlich nehmen." Was seien schließlich schon Worte? Hinter Worten steckten letztlich doch bloß Energie und Haltung. "Und wenn sich jemand über tourette-artige Schimpfauswüchse von dieser irgendwie engen Gesellschaft befreit, einer Gesellschaft, in der er nicht gesehen oder akzeptiert wird, und wenn er sich da rausbrüllt, dann ist das 'ne geile Haltung. Und diese Haltung feiere ich dann." Man könnte wohl auch sagen: Sie geben 'nen Fick auf die Diskussion.