Am Mittwoch hat es wieder städtische Preise gegeben für junge Filmemacher und für formidable beharrliche Münchner Programmkinos. Einige usual suspects waren dabei, das Arena und die Ateliers, Maxim, Studio Isabella und Werkstattkino. Außerdem das Gabriel, das vielleicht kein lupenreines Programmkino ist, aber von Leuten gemacht und programmiert wird, die das Kino seit vielen Jahren und Jahrzehnten lieben. Seit einigen Wochen halten sie zum Beispiel dem neuen Ben Hur von Timur Bekmambetov die Treue, der von einer weltweiten Kritiker-Walze niedergemacht wurde und auch an den Kinokassen voll versagte.
Das Hollywoodkino lebt von Wiederholungen, Serien, Fortsetzungen, Remakes, aber ausgerechnet beim neuen "Ben Hur" wollten nur wenige den Klassiker von 1959 aus dem Kopf kriegen. Bekmambetovs Film ist ein relativ kleines, eher halbspektakuläres Antikenstück, das eigene Akzente setzt und um die Natur des Showbusiness weiß: Wenn nach dem Wagenrennen der römische Statthalter, dessen Fahrer eben gegen Ben Hur verloren hat, die aufgegeilte einheimische Zuschauermenge sieht, meint er mit bitterem Sarkasmus: "Na wunderbar, jetzt haben sie alle Blut geleckt. Jetzt sind sie Römer geworden."
Im preisgekrönten Arena spielen sie einen der schönsten Filme aus dem Cannes-Wettbewerb 2015, Der Schatz von Corneliu Porumboiu. Zwei Männer graben auf einem Grundstück nachts nach einem möglicherweise dort versteckten Schatz. Ein kleiner Jungenstreich, in den sich dann knirschend die rumänische Bürokratie drängt. Denn, was sie finden, ist eher die Geschichte ihres Landes, das Ceausescu-Regime, die Wende 1989, die ökonomische Misere danach . . .
Das Neue Maxim stellt sich Samstag und Sonntag von 10.30 Uhr an als außerordentliche Spielstätte dem Underdox-Filmfestival für Dokument und Experiment zur Verfügung, das in Werkstattkino und Filmmuseum zelebriert wird, und zeigt das sagenhafte Freiheits-Epos A Lullaby to the Sorrowful Mystery von Lav Diaz. Kino wie ein Rosenkranz, 482 Minuten, aber in aller Freiheit. Eine Underdox-Matinee gibt es im Theatiner, Sonntag um 11 Uhr läuft dort L'Accademia delle Muse von José Luis Guerin. Der italienische Professor Raffaele Pinto lehrt hier eine Gruppe von Studentinnen an der Uni von Barcelona, wie die alten Musen auch heute noch aktiviert werden könnten. Eine pädagogische Übung, gefilmt vom Filmemacher selbst, die sich in vielfache Reflexionen verzweigt.