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Vorschlag-Hammer:Auf Frauen bauen

Marlene Streeruwitz schreibt sich mit ihrem neuen Roman in die lange Tradition feministischer Literatur ein

"Sie war ein Territorium", schreibt Marlene Streeruwitz. "Als Frau war sie ein Territorium. Nicht die lebendige Person. Ein zu besetzendes Territorium weiblicher Nation. Und Gustav hatte besetzt. Hatte geherrscht. Regiert." Auf diese Kernaussagen läuft der neue Roman Flammenwand (S. Fischer Verlag) der österreichischen Schriftstellerin zu. Als Brandbeschleuniger wirkt das Thema Impotenz - die setzt der geschmähte Gustav tatsächlich als Machtinstrument ein. Um in der Bildwelt zu bleiben: Muss, wer die Lektüre von 369 anklagenden Seiten im Stakkato-Ton durchhält, etwas masochistisch veranlagt sein? Das Private ist hier natürlich wieder einmal hochpolitisch, 85 Seiten Anhang zur FPÖ-Misere lassen keinen Zweifel zu. Und natürlich schreibt sich Marlene Streeruwitz mit diesem Roman, den sie am 26. September im Münchner Literaturhaus vorstellt und der auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stand, erneut in die lange Tradition feministischer Literatur ein.

In diese Tradition gehören zum Beispiel auch die Romane vieler weitgehend vergessener Autorinnen, die vor hundert Jahren in München lebten. Gabriele Reuter, Carry Brachvogel, Marie Haushofer, Anita Augspurg, Emma Merck, Elsa Bernstein - die Liste der Frauen ist lang, die sich schreibend und handelnd für Gleichberechtigung einsetzten. Ingvild Richardsen, die vor einem Jahr die Ausstellung "Evas Töchter" in der Monacensia kuratierte, hat ihnen jetzt in einem neuen Sachbuch nochmals ein Denkmal gesetzt. Auch wenn Richardsens Blick immer wieder über die Grenzen Bayerns hinaus schweift: In Leidenschaftliche Herzen, feurige Seelen. Wie Frauen die Welt veränderten (S. Fischer Verlag) wird erneut deutlich, dass die Bedeutung Münchens für die Frauenbewegung gar nicht hoch genug einzuschätzen ist (25. September, Monacensia).

Das würdigen auch heutige Schriftstellerinnen, zum Beispiel die Dichterinnen des Münchner Schamrock-Salons. Zur Zehnjahresfeier des Salons widmen sich zehn Autorinnen ihren Vorgängerinnen; Nora Zapf zum Beispiel hat sich mit Paula Ludwig beschäftigt, Karin Fellner mit Elsa Bernstein, Alma Larsen mit Regina Ullmann, Theresa Seraphin mit Erika Mann (Donnerstag, 19. September, 19 Uhr, Monacensia). In einer feministischen Tradition darf man auch den ersten Roman von Karen Köhler sehen, die am 25. September im Literaturhaus liest. Über Miroloi (Hanser Verlag) wird derzeit viel diskutiert; auch wenn sich der Kitschverdacht wohl nicht ganz ausräumen lässt, halte ich diese Parabel über eine Außenseiterin in einem archaisch-grausamen Dorf doch für einen eindrucksvollen Versuch, über weibliche Selbstermächtigung zu schreiben. Um die auch praktisch besser umzusetzen, sollten Frauen übrigens noch ein paar andere Bücher lesen: Am 23. September zum Beispiel diskutiert die Kulturwissenschaftlerin Irene Götz im Bildungszentrum Einstein mit Sozialexpertinnen über ihr neues Sachbuch Kein Ruhestand! (Verlag Antje Kunstmann). Sie beschreibt darin, so der Untertitel, "wie Frauen mit Altersarmut umgehen". Am besten, indem sie gar nicht zulassen, dass es sie gibt.