Vorschlag-Hammer Anarchie von ihrer kultivierten Seite

Das Faust-Festival wurde in Berlin mit dem Europäischen Kulturmarketingpreis in der Kategorie Europäische Trendmarke des Jahres ausgezeichnet. Und schon steht in München das nächste kulturelle Großprojekt an

Von Susanne Hermanski

In München macht jeder gern mal sein eigenes Ding. Deswegen ist es umso toller, dass unser Projekt geklappt hat", sagt Anna Kleeblatt und strahlt mit der goldenen Statue in ihrer Hand um die Wette. Flankiert wird sie von Max Wagner, dem Chef des Gasteig, und Roger Diederen, dem Direktor der Hypo-Kunsthalle. Gemeinsam haben die drei das Faust-Festival organisiert. Das schrieb 2018 in München eine erstaunliche Erfolgsgeschichte und machte über die Grenzen der Stadt hinaus Furore. Am Montag erhielt das Konzept vom monothematisch getriebenen Metafestival, an dem sich jeder beteiligen konnte - von der Staatsoper bis zur Privatbrauerei, vom Museum bis zum Osterspaziergänger - den Europäischen Kulturmarketingpreis in der Kategorie Europäische Trendmarke des Jahres.

Überreicht wurde die Auszeichnung in Berlin zum 13. Mal bei der Gala des Europäischen Kulturmarken-Awards, der im Rahmen eines Branchenkongresses ausgelobt wird. Dazu reisen Kulturmanager und Stiftungschefs vornehmlich aus deutschsprachigen Ländern an, aber etwa auch aus Albanien und Spanien. Zu den prominenten Preisträgern zählen Leute wie der Berlinale-Chef Dieter Kosslik, der am Montag für sein Lebenswerk mit der "Eureka" ausgezeichnet worden ist. Die Trophäe im Look eines weiblichen Oscars war das eine an diesem Abend, das Lob der Mitbewerber wohl das Wertvollere: "Das war irre. Wann immer ich auf mein Handy guckte, poppte auf Twitter, Facebook und Co. eine Nachricht zum Faust-Fest bei euch in München auf", sagte Norbert Käthler, Marketingmann der Stadt Trier, die selbst als Kulturtourismusregion ausgezeichnet wurde (mehr unter www.kulturmarken.de).

Aktuell läuft in München nun schon das nächste kulturelle Großprojekt: 1918 | 2018 - Was ist Demokratie? Das Programm zu 100 Jahre Revolution und Rätezeit in München wurde - weniger kreativ-anarchisch - vom Münchner Kulturreferat organisiert. Mehr als 100 Institutionen (bei "Faust" waren es 300) beteiligen sich an "1918 | 2018". So auch die Monacensia, die am Mittwoch in ihrer Reihe Dichtung ist Revolution eine besonders interessante, weil sehr aufs Hier und Jetzt bezogene Veranstaltung auf dem Plan hat: Good Night Stories For Rebel Girls, eine Lesung und Musik für Rebellinnen und Rebellen ab sechs Jahren mit Maria Hafner. Die Schauspielerin und Musikerin erzählt dabei Gute-Nacht-Geschichten über Frauen, die die Welt verändern, von der Sängerin Beyoncé bis zur Schriftstellerin J. K. Rowling. (14. November, 18 Uhr im Hildebrandhaus, Anmeldung unter monacensia.programm@muenchen.de).