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Von SZ-Autoren:Adrian Lobe über das Datengefängnis

Mit Alexa die Beleuchtung dimmen oder das Badewasser einlassen, das klingt bequem. Doch die digitalen Diener sind auch Überwachungswerk. Adrian Lobe klärt auf, wie das Datengefängnis funktioniert.

In jedem dritten US-Haushalt steht mittlerweile ein Smart Speaker wie Google Home oder Amazon Echo. Mit Alexa die Beleuchtung dimmen oder das Badewasser einlassen, das klingt bequem. Doch die digitalen Diener sind auch Überwachungswerkzeuge. Konzerne wie Apple, Amazon und Google ließen Audiomitschnitte ihrer Nutzer auswerten: Patientengespräche, Drogengeschäfte, Sex - minutiös wurde das Leben der Kunden protokolliert.

Der Journalist und SZ-Autor Adrian Lobe beschreibt in "Speichern und Strafen", wie wir uns mit smarten Gadgets unser eigenes Datengefängnis zimmern. Künstliche Agenten tun, was Justizvollzugsbeamte tun: Sie hören die Gefangenen ab, führen klandestine Stubengänge und Anwesenheitskontrollen durch. Google hat ein Patent auf ein Smart Home angemeldet, das Zigarettenrauch erkennt und den Fernseher sperrt, wenn die Bewohner Schimpfwörter verwenden. Lobe zeigt, wie die Codierung unseres Alltags die Grundlagen des Politischen verändert. Politische Probleme werden in Technik, in einen Modus der Informatik überführt und dem Zugriff der bürgerlichen Öffentlichkeit entzogen. Am Ende hat der Bürger nur noch eine Wahl: die des Algorithmus.

Adrian Lobe: Speichern und Strafen. Die Gesellschaft im Datengefängnis. Verlag C. H. Beck, München 2019. 256 Seiten, 16,95 Euro.