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Vom Sprechen und Schreiben:Unser sozialer Kitt

Nikolaus Nützel führt die Vielfalt der Sprache vor.

Von Roswitha Budeus-Budde

Für Nikolaus Nützel, Wissenschaftsredakteur des Bayerischen Rundfunks, war immer schon die Auseinandersetzung mit der Sprache, die er als "sozialen Kitt der menschlichen Gemeinschaft" bezeichnet, ein wichtiges Thema. In seinen Büchern, besonders in "Sprache oder was den Menschen zum Menschen macht", gelingt es ihm, Linguistik und die aktuelle Sprachentwicklung durch einen undogmatischen, ironischen Ton miteinander zu verbinden. Er spricht den Jugendlichen das Recht zu, durch eigene Wortfindungen und Veränderung der Grammatik, den erwachsenen Sprachhütern zu demonstrieren, dass die menschliche Verständigung sich mit jeder Generation weiterentwickelt und nicht logisch verläuft. Erst durch den Duden und die digitalen Korrekturprogramme wurde der Druck zur Einheitssprache größer. Nützels neues Buch "Sprachzauber. Warum unser Blabla mehr als Hokuspokus ist", enthält keine Ratschläge für junge Zauberkünstler, sondern inszeniert mit dem Wissen der Semantik ein kreatives Kulturspiel für junge Leser und Deutschlehrer. Zusätzlich zu Informationen über die Strukturen der Sprache wird es zu einer psychologischen und sozialen Entdeckungsreise. Es enttarnt, wie wir uns über das Sprechen selbst darstellen, und wie unsere Absicht und unser Verhalten zu erkennen sind. Geschickt verwendet Nützel die Medienerfahrungen der Jugendlichen, erzählt erst vom Volksglauben an die Magie von Zauberwörtern, um dann an ihren Einsatz in den Harry-Potter-Bänden zu erinnern und an die Entwicklung von Kunstsprachen in den Hollywoodfilmen "Arrival" und "Star Treck". Er gibt Ratschläge, selbst Geheimsprachen zu entwerfen. Filmfotos und Zeichnungen lockern den Text auf. Sprache kann zur Waffe werden. "Wer weiß, wie er mit Wörtern etwas auslösen kann, gewinnt Macht." Das zeigt auch der Diskurs um Political Correctness. (a 12 Jahre)

Nikolaus Nützel: Sprachzauber. Warum unser BlaBla mehr als Hokuspokus ist. Arsedition 2020. 144 Seiten, 15 Euro.

© SZ vom 15.01.2021
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