bedeckt München

Volksverhetzung?:Hassrezepte

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Kochbuchautor Attila Hildmann

Mittlerweile ermitteln die Staatsanwaltschaft Cottbus und das Landeskriminalamt Berlin gegen Attila Hildmann.

(Foto: dpa)

Attila Hildmann hetzt gegen Politiker und Stars, mittlerweile verbreitet er Morddrohungen. Thalia behält seine Bücher dennoch im Sortiment.

Von Nora Noll

Das Buchhandelsunternehmen Thalia behält Attila Hildmanns Bücher vorerst im Angebot. Hildmann ist mit veganen Kochbüchern berühmt geworden, tritt aber nun vor allem mit rechtsextremer Hetze in Erscheinung. Seit Montag ist bekannt, dass wegen Volksverhetzung gegen den 39-Jährigen ermittelt wird. Unter dem Hashtag "Thalia Boykott" verlangen Twitter-Nutzer von Deutschlands größter Buchhandelskette, Hildmanns insgesamt neun Bücher aus dem Sortiment zu nehmen.

In einer Stellungnahme vom Montag nimmt Thalia Abstand von Hildmanns Weltanschauung, sieht aber vorerst von einem Boykott der Bücher ab. Die Diskussion über Hildmann solle "gesamtgesellschaftlich" und "nicht am Kochbuchregal" geführt werden, auch seien die Bücher für sich genommen harmlos, und das Unternehmen wolle nicht als Zensor agieren. Auf SZ-Anfrage antwortete die Pressesprecherin Claudia Bachhausen-Dewart, dass eine Neubewertung stattfände, falls Hildmann gerichtlich verurteilt werde: Seine Bücher "wären in dem Fall nur noch auf Kundenwunsch bestellbar". Andere Unternehmen haben jetzt schon Konsequenzen gezogen: Kaufland und Vitalia verkaufen seit Anfang Mai nicht mehr Hildmanns Produkte, nach Informationen des Spiegel hat sich Edeka dem Boykott angeschlossen.

Seit Beginn der Pandemie verbreitet Hildmann auf seinem Telegram-Kanal mit über 66 000 Abonnenten und bei Demonstrationen Verschwörungstheorien, bedroht Prominente und Politiker und leugnet den Holocaust. Nachdem er vergangene Woche auf Telegram über eine Hinrichtung des Politikers Volker Beck sinniert hatte, erstattete dieser Strafanzeige. Auf der wöchentlichen Kundgebung in Berlin wiederholte Hildmann die Morddrohung und bezeichnete Hitler als "Segen im Vergleich zur Kommunistin Merkel". Die Staatsanwaltschaft Cottbus und das Landeskriminalamt Berlin ermitteln nun unter anderem wegen Volksverhetzung.

© SZ vom 22.07.2020
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema