Video-Premiere von Kwabs Traurig und glücklich zugleich

Kwabs wehrt sich gegen sein Trauerkloß-Image.

(Foto: Warner)

Seit seinem Hit "Walk" gilt der britische Sänger Kwabs als kommender Star. Sein neuer Song "Fight for Love" rechtfertigt alle Hoffnungen. SZ.de zeigt das Video als Exklusiv-Premiere.

Von Kathleen Hildebrand

Es gibt da diesen Mitschnitt von einem älteren Auftritt: Kwabena Adjepong steht auf der Bühne, im Hintergrund Säulen, Kronleuchter und sehr viel roter Samt. Er trägt einen haifischgrauen, schmal geschnittenen Anzug, wie ihn Männer in den Sechzigerjahren trugen. Erst ist es ganz still, Kwabena Adjepong schließt kurz die Augen. Dann bricht es aus ihm heraus: "Sometiiiiiiiiimes - I feeeee-eee-eeel like a moooootheeeeerleeeeeess chiiiiiiiild".

Man muss nicht wissen, dass Kwabena Adjepong bei Pflegeeltern aufgewachsen ist, damit einen die Verzweiflung dieser Zeile packt. Und man muss auch nicht wissen, dass er seine Kindheit trotzdem gegen keine andere eintauschen wollen würde, um den Stolz in seiner angerauten Stimme zu hören.

Der Auftritt jenes jungen Sängers, der sich heute Kwabs nennt, fand im Buckingham Palace statt. Er war das Finale der BBC-Talentsuchshow "Goldie's Band". Danach schüttelte Kwabs Prinz Harry die Hand. 2011 war das und es sah aus wie ein sehr großer Anfang.

"Walk" stand auf Platz eins der deutschen Charts

Dabei war es für Kwabs eher ein Ende. Das Ende der Zeit, in der er nach seinem Jazz-Studium an der Royal Academy of Music an Casting Shows teilnahm, in mehreren Jazzbands auftrat, Klassiker und Coversongs sang, mal hier, mal da. Nach "Goldie's Band" fing er an, seine eigene Musik bekannt zu machen. Keine vier Jahre später stand "Walk" auf Platz eins der deutschen Charts. Der poppigste seiner bisherigen Songs, der aber trotzdem diese besondere Kwabs-Mischung hat: Schwermut, Aufbruchsstimmung, Pathos.

In seinem neuen Song "Fight for Love" funktioniert diese Mischung wieder wunderbar. Die Stimmung ist so hell, wie Kwabs sie mit der ihm eigenen Schwermut eben hinbekommt, der Drang zum rhythmischen Kopfnicken beim Hören ist stark. "Fight for Love" ist moderner Disco-Soul, unterlegt mit den geheimnisvollen, dunklen Beats, die man von Kwabs kennt, seit er mit dem Produzenten Sohn zusammenarbeitet.

Doch Produzenten hin oder her - Kwabs' Erfolgsgarant ist seine Stimme. Sein dunkler Soul-Bariton, der immer "schwerwiegende Nachrichten zu überbringen scheint", schrieb der Guardian - klingt wie ein "Vorbote großen Leids". Passenderweise lief Kwabs im Video zu seiner nächsten Single "Perfect Ruin" weinend durch Nacht und Winterwald, die Stimme tief, sanft, warm und leicht belegt. In seinem Endjahres-Pop-Orakel sagte der Guardian ihn als "rising star" für 2015 an.

Dabei will Kwabs dieses Trauerkloß-Image gar nicht. Das sagt er jedenfalls, als er kurz vor seinem Konzert in München im Künstlerzimmer der Muffathalle sitzt, ganz vorn auf der Sofakante. Ein kleiner, schlanker Mann in schwarzer Hose und schwarzem Rollkragenpullover: "Ich finde nicht, dass meine Musik besonders traurig ist. Viele Leute sagen, dass sie sich traurig und glücklich zugleich fühlen, wenn sie meine Lieder hören. Das ist es eigentlich, was ich erreichen möchte."

Kwabs' erstes Album "Love + War" soll nach mehreren Aufschüben im September erscheinen. So wie es klingt, sollte man sich das Datum merken.