Verschandeltes Kirchen-Fresko:Übermalter Jesus wird Touristenattraktion

Erst wurde Cecilia Giménez dafür verspottet, ein Kirchen-Fresko stümperhaft überpinselt zu haben - jetzt bekommt sie Unterstützung. Weil der übermalte Gottessohn massenweise Schaulustige anzieht, boomt der Tourismus in Borja. Gegen die Wiederherstellung des ursprünglichen Wandgemäldes regt sich Widerstand.

Sowas hat es in Borja wohl noch nie gegeben: Hunderte Schaulustige kamen am Wochenende in das verschlafene nordostspanische Nest, um ein bei einer zweifelhaften Restaurierungsaktion verschandeltes Kirchen-Fresko zu bestaunen.

Den Besucherstrom verdankt die Stadt den "Malkünsten" der Rentnerin Cecilia Giménez, die das 102 Jahre alte Jesus-Bild beim Versuch der Wiederherstellung derart entstellte, dass sie damit weltweit Aufmerksamkeit erregte. Das ursprüngliche Wandgemälde "Ecce Homo" von Elias García Martínez ist eine Christusdarstellung, Giménez verlieh der Gestalt jedoch das Antlitz eines knuddeligen Äffchens mit Knopfaugen. Die unerlaubte Arbeit der Mittachtzigerin wurde von einigen Medien bereits zur misslungensten Restauration der Geschichte gekürt.

Auf der anderen Seite hat Giménez auch eine wachsende Fangemeinde. Eine Frau, die eigens nach Borja gereist war, um das an einer Säule der Kirche Iglesia del Santuario de Misercordia befindliche Fresko zu sehen, fand Gefallen an ihm: "Das ursprüngliche Gemälde war auch sehr hübsch, aber dieses mag ich wirklich", sagte sie im spanischen Fernsehen.

Auch der Organisator eines Patronats-Festes der Stadt freute sich über die neue "weltweite" Bekanntheit Borjas. Zahlreiche Beiträge, Fotomontagen und Internet-Spiele beschäftigen sich mit der misslungenen Restaurierung. 18.000 Menschen unterzeichneten bereits eine Online-Petition, die sich gegen die Pläne der Stadt stemmt, das Originalbild wiederherzustellen.

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