ÖsterreichFeministische Kunstpionierin Valie Export mit 85 gestorben

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Valie Export im Jahr 2024.
Valie Export im Jahr 2024. Monika Skolimowska/dpa

Sie war eine Vorreiterin des feministischen Aktionismus. Jetzt ist die Österreicherin mit 85 Jahren gestorben.

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Die einflussreiche österreichische Aktionskünstlerin Valie Export ist tot. Die für ihre feministischen und provokativen Projekte bekannte Künstlerin starb am Donnerstag in Wien im Alter von 85 Jahren, wie ihre Stiftung mitteilte.

Exports Motto lautete: „Kunst muss aggressiv sein.“ Bereits 1968 löste sie große Aufregung aus, als sie sich ihr „Tapp und Tastkino“ vor die nackte Brust schnürte. 33 Sekunden lang konnten Passanten in der Wiener Innenstadt durch einen kleinen Vorhang in den Kasten greifen und ihren entblößten Oberkörper ertasten.

Im Mittelpunkt ihres Werkes stehe die kritische Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Wahrnehmung und Normierung des weiblichen Körpers, hieß es von der Stiftung. „Dabei nimmt sie unerschrocken und kompromisslos intime, tabuisierte oder gesellschaftlich verdrängte Inhalte in den Blick“, hieß es.

Ich konnte gar nicht anders, ich musste Konventionen aufbrechen
Valie Export

Die Empörung des Publikums bei ihrer Aktion „Genitalpanik“ war riesig. Mit einer am Schritt aufgeschnittenen Hose spazierte Valie Export 1969 in München während eines Filmfestivals in einen Kinosaal und präsentierte ihr dichtes Schamhaar. Die Österreicherin wollte damit auf drastische Weise zeigen, dass Frauen oft nur als reine Lustobjekte dargestellt wurden. Ihre Performance gilt auch fast 60 Jahre später als Meilenstein des feministischen Aktionismus.

Export verschrieb ihr ganzes Leben dem Kampf für die Gleichstellung von Frau und Mann. Ihr Schaffen wurde lange verschmäht, sie selbst angefeindet und sogar einmal mit einer Bierflasche angegriffen. Finanzielle Sorgen hatte sie bis ins hohe Alter. Sie selbst bereute aber bis zum Schluss nichts. „Ich konnte gar nicht anders, ich musste Konventionen aufbrechen“, sagte Export der dpa anlässlich ihres 80. Geburtstags. Der Feminismus müsse immer weiter kämpfen, sagte sie milder, aber bestimmter Stimme.

Als Waltraud Lehner kam sie 1940 in Linz zur Welt. Ihr Vater fiel im Zweiten Weltkrieg, ihre Mutter zog drei Töchter alleine groß. Waltraud rebellierte früh. Mit 18 Jahren wurde sie schwanger, ließ sich schnell vom Vater ihres Kindes scheiden. Ihre Tochter blieb bei ihrer älteren Schwester, als sie nach Wien ging, um Künstlerin zu werden. Ein Eklat, der sie bis in die Hauptstadt verfolgte. Später wurde ihr wegen einer Pornografie-Anklage – sie brachte ein skandalumwittertes Buch heraus – zeitweise das Sorgerecht entzogen.

In Wien arbeitete sie zunächst für den Künstler Friedensreich Hundertwasser. Mit dem Kreis des Wiener Aktionismus rund um Hermann Nitsch und Günter Brus kam es nie zu einer engeren Zusammenarbeit. Das Frauenbild dieser Künstler war ihr viel zu verstaubt. Frauen seien bei den Aktionisten „immer für die sexuellen Bilder da“ gewesen, sagte sie einst dem SZ-Magazin. „Die Frauen wurden ausgebeutet. Das habe ich abgelehnt.“

Mit ihrem Alter haderte die Künstlerin. „Das Tragische ist, dass der Körper permanent darauf hinweist, dass die Lebenszeit kürzer wird. Nicht weil er anders aussieht, aber man spürt es“, sagte sie der FAZ. Der Körper sei wie ein Mahnmal, der zurufe: „Die Jahre werden kürzer! Die Jahre werden kürzer!“

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