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Uwe Ochsenknecht über Anerkennung:"Ich bin normalerweise sehr chillig"

SZ: Und wie ist es heute? Haben Sie dieses große Bedürfnis nach Anerkennung noch immer?

Ochsenknecht: Ich wurde erst neulich wieder gefragt: 'Geht dir das nicht auf den Nerv, wenn du ständig angesprochen wirst, hier mal ein Foto machen und hier.' Dann habe ich ihm gesagt: 'Viel schlimmer wäre es, wenn ich morgens aus der Tür gehe und keiner erkennt mich mehr. Das wäre um einiges schlimmer.'

SZ: Wobei das doch auch angenehm sein könnte, oder? Ich spreche jetzt aus eigener Erfahrung.

Ochsenknecht. Och, nee! Berühmtsein ist doch toll. Da kommen wildfremde Leute auf einen zu und freuen sich. Gott sei Dank freuen sie sich, solange das natürlich so ist, ist das gut. Die freuen sich und sagen: 'Ich habe Ihren Film gestern gesehen und Sie sind ein toller Schauspieler. Und ich habe so eine Geschichte auch mal erlebt und so.' Das ist toll. Das würde ich schon vermissen, ehrlich gesagt. Und dass die Frauen reihenweise in Ohnmacht fallen, wenn sie mich sehen.

SZ: Ist Berühmtheit wie eine Droge, von der man nicht mehr loskommt?

Ochsenknecht: Droge weiß ich nicht. Aber wenn man ehrlich ist, ist es eine Riesenportion Bestätigung. Daran habe ich mich gewöhnt seit vierzig Jahren. Und plötzlich erkennt dich keiner mehr? Ist doch scheiße.

SZ: Meist verglüht man ja als Stern nicht von heute auf morgen.

Ochsenknecht: In der Tat geht das nicht so abrupt. Das kommt schleichend, dass man in Vergessenheit gerät. Man verändert sich, man wird älter. Ganz schlimm ist, wenn dann in der Zeitung steht: 'Was macht eigentlich ...?' Also, wenn ich freiwillig gesagt habe: 'So, ich hau' jetzt ab nach Kanada, kauf' 'ne Farm, werd' Viehzüchter und Schluss ist. Ich hab' alles gehabt und brauche das nicht mehr.' Dann kann ich so was lesen: 'Was macht eigentlich ...?' Aber nicht, wenn ich immer noch gerne meinen Beruf ausüben würde.

SZ: Noch sind Sie nicht in Vergessenheit geraten. Kürzlich waren Sie als der alternde Schlagersänger Hansi Haller im Fernsehen zu sehen, und "Kleine Morde", Ihr letzter Kinofilm, ist soeben fertiggestellt worden. Dieses Jahr laufen vier Fernsehfilme mit Ihnen, darunter "Überleben an der Wickelfront" am 3. Mai im ZDF. Wofür arbeiten Sie lieber, fürs Fernsehen oder fürs Kino?

Ochsenknecht: Kino ist insofern angenehmer, dass mehr Geld und mehr Zeit zum Arbeiten da ist. Heutzutage hat ein Fernsehspiel 22 Drehtage. Zack. Da kann man nicht viel herumexperimentieren und proben. Da muss man schon vor den Dreharbeiten alles mit dem Regisseur geklärt und besprochen haben. Und dann wird gedreht und fertig.

SZ: Das heißt, bei Kinoproduktionen kommt am Schluss mehr Qualität heraus?

Ochsenknecht: Wenn man die meisten deutschen Kinofilme sieht, glaubt man das nicht so. Aber die Chance wäre da. Man hat mehr Zeit zu arbeiten. Was man mit der Zeit macht, das frage ich mich beim Kino manchmal selber, wenn man die Filme sieht.

SZ: So schlecht sind die deutschen Kinofilme auch wieder nicht. Zum Beispiel "Halt auf freier Strecke" von Andreas Dresen, der hat immerhin im vergangenen Jahr einen Preis in Cannes gewonnen. Oder "Gegen die Wand" von Fatih Akin, der bekam dafür vor einigen Jahren bei der Berlinale den Goldenen Bären.

Ochsenknecht: Klar, "Das Leben der Anderen" ist ein guter Film und "Good Bye, Lenin!" und solche Sachen. Es sind ab und zu ein paar gute dabei. Das stimmt. Auf jeden Fall.

SZ: "13th Street" ist ein kleiner Sender. Da wird Ihre Gage nicht in dem Bereich sein, wie Sie es sonst gewohnt sind. Hat Sie das gewurmt?

Ochsenknecht: Das hat mich nie gestört, bei Sachen, die mich interessieren, und die inhaltlich Qualität haben. Ich habe letztes Jahr mit einem jungen Regisseur einen Kinofilm gemacht, eben "Kleine Morde", und der konnte das auch nicht zahlen. Mir ging es in erster Linie noch nie um Geld. Wenn mich etwas interessiert, dann sollen die Leute das zahlen, was sie haben. Aber wenn ich dann erfahre, dass ein No-Name mehr bekommt als ich, dann werde ich stocksauer.

SZ: Dann hat der No-Name vielleicht besser verhandelt als Sie.

Ochsenknecht: In diesem Geschäft geht es nicht ums Verhandeln, es ist die Frage vom Marktwert. Wenn man noch nicht erfolgreich ist, oder man weg vom Fenster, dann kann man nicht groß verhandeln. Dann heißt's: 'Pass mal auf, so und so viel, kannst froh sein, dass du bei uns drehen darfst.' Und fertig. Das richtet sich schon nach dem Marktwert.

SZ: Ende des Jahres kommt wieder ein Film mit Ihnen ins Kino: Ludwig II. Sie spielen den Prinzregenten Luitpold, der ja ein sehr volkstümlicher Mensch war. Wie hat Ihnen diese Rolle gefallen, Sie haben ja eher den Ruf, so ein anarchischer Typ zu sein?

Ochsenknecht: Echt?

SZ: Ja, schon, oder nicht?

Ochsenknecht: Wenn's sein muss - ja. Aber ich bin normalerweise sehr chillig, wie man heute sagt.

SZ: Ruhig?

Ochsenknecht: Jo. Abgesehen davon empfinde ich so historische Sachen im Kino immer eine gute Abwechslung und ein bisschen Theater, wo ich ja herkomme. Ich hatte so einen Riesenbart, mein ganzes Gesicht war voll mit Bart und Haare überall. Ich glaube mich erkennt man nur an der Stimme. Aber es war mal witzig. Und die Kostüme und tolle Kulissen. Das hat Spaß gemacht, so zwischendrin.

© Süddeutsche.de/pak/hai

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